Fünf Fragen an unseren Experten, Dr. med. Kai Sonne, Leitender Arzt der Sektion Rhythmologie der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie im MEDICLIN Herzzentrum Lahr
Bei welchen Symptomen einer Herzrhythmusstörung sollte man immer sofort die Rettung alarmieren?
Sollten akute Beschwerden wie z. B. starke Luftnot, starker Schwindel oder Bewusstlosigkeit auftreten und die Rhythmusstörung nicht aufhören, ist zu empfehlen den Notarzt zu alamieren.
Wenn das Herz plötzlich schneller schlägt, oder man das Gefühl hat, dass es häufiger stolpert oder pausiert, wie erkennt man, ob diese Störung gutartig ist oder ob es sich um eine ernste Erkrankung handelt und man ärztliche Hilfe braucht?
Prinzipiell ist zunächst ein EKG notwendig um dieses zu unterscheiden. Bei vereinzelten „Stolperern“ muss nicht gleich der Arzt gerufen werden. Hier helfen „Pulsuhren“, die eine EGK-Aufzeichnung haben.
Warum müssen einige Menschen mit Vorhofflimmern Medikamente nehmen, die die Blutgerinnung hemmen und andere nicht?
Das liegt an dem Risiko für einen Schlaganfall. Der wird mit dem sogenannten CHA2DS2-VASc-Score ermittelt. Hier fallen bestimmte Faktoren ins Gewicht: das Alter (entweder 1 Punkt oder ab 75 Jahre – 2 Punkte), kardiale Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, vaskuläre Erkrankungen und ob schon einmal ein Schlaganfall (2 Punkte) passiert ist. Schon bei einem Risiko von einem Punkt sollte eine orale Antikoagulation, also eine Gabe von Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung erfolgen, damit das erhöhte Schlaganfall-Risiko reduziert ist.
Viele Menschen tragen heutzutage Smart Watches, die ein EKG anfertigen und den Blutdruck messen können Wie verlässlich sind solche Geräte?
Viele Smart-Watches haben eine erstaunlich gute EKG-Qualität, die sehr bei der Diagnostik hilft. Hier ist allerdings die Auswertung durch einen Arzt erforderlich.
Kann ich Sport treiben, wenn ich Herzrhythmusstörungen habe und worauf muss ich dabei achten?
Prinzipiell ist Sport, wie immer in Maßen, eine gesunde Beschäftigung. Je nachdem welche Rhythmusstörung besteht, kann man verschiedene Sportarten treiben. Bei lebensgefährlichen Rhythmusstörungen und häufig ausgeprägter Herzinsuffizienz sollte die sportliche Betätigung moderat sein. Andere Rhythmusstörungen ziehen keine Sporteinschränkungen nach sich. Hier ist eine individuelle Beratung notwendig.