Ein Schlaganfall verändert das Leben oft von einem Moment auf den anderen. Umso wichtiger ist es, Warnzeichen frühzeitig zu erkennen und Betroffene schnell medizinisch zu versorgen. Doch auch nach der Akutbehandlung spielt die Rehabilitation eine entscheidende Rolle: Sie hilft dabei, verlorene Fähigkeiten wiederzuerlangen, Selbstständigkeit zurückzugewinnen und den Weg zurück in den Alltag zu finden.
PD Dr. Saskia Meves, Chefärztin der Neurologie an der MEDICLIN Fachklinik Rhein/Ruhr, erklärt im Interview, was bei einem Schlaganfall im Gehirn passiert, welche Symptome ernst genommen werden sollten und welche Rolle die neurologische Rehabilitation auf dem Weg zurück in den Alltag spielt. Außerdem spricht sie über moderne Therapieansätze wie Robotik und Exoskelette sowie über die Bedeutung von Geduld, Teamarbeit und Zuversicht im Genesungsprozess.
Das erklärt unsere Expertin: Die wichtigsten Punkte aus dem Interview
Was ist ein Schlaganfall?
- Der Begriff „Schlaganfall“ umfasst verschiedene Erkrankungen der Hirngefäße.
- Am häufigsten ist der sogenannte ischämische Schlaganfall: Dabei wird ein Bereich des Gehirns plötzlich nicht mehr ausreichend durchblutet.
- Seltener entsteht ein Schlaganfall durch eine Hirnblutung.
- Etwa 85 Prozent der Schlaganfälle beruhen auf Durchblutungsstörungen, rund 15 Prozent auf Blutungen.
Warnzeichen früh erkennen
Typisch für einen Schlaganfall sind plötzlich auftretende Symptome, zum Beispiel:
- Sprachstörungen oder verwaschene Sprache
- Lähmungen oder Schwäche einer Körperseite
- Gefühlsstörungen
- hängender Mundwinkel
- Gleichgewichtsprobleme
- plötzlich stärkste Kopfschmerzen
Beim Schlaganfall ist Zeit ein ganz entscheidender Faktor – deshalb sollte man Warnzeichen immer ernst nehmen.
PD Dr. med. Saskia Meves
Das FAST-Prinzip
Mit dem sogenannten FAST-Prinzip lassen sich typische Schlaganfall-Symptome schnell erkennen:
F – Face: Hängt eine Gesichtshälfte?
A – Arms: Kann ein Arm nicht mehr gehalten werden?
S – Speech: Ist die Sprache verändert?
T – Time: Sofort den Notruf 112 wählen.
Welche Folgen kann ein Schlaganfall haben?
Die Auswirkungen sind sehr unterschiedlich und hängen davon ab, welche Hirnregion betroffen ist. Mögliche Folgen sind:
- Bewegungsstörungen
- Sprach- und Sprechstörungen
- Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme
- Einschränkungen im Alltag
- psychische Belastungen und Ängste
Wie unterstützt die Rehabilitation?
Die neurologische Rehabilitation verfolgt das Ziel, Fähigkeiten wieder aufzubauen und die Selbstständigkeit der Patientinnen und Patienten zu fördern. Dabei arbeiten verschiedene Fachbereiche eng zusammen:
- Physiotherapie
- Ergotherapie
- Logopädie
- Neuropsychologie
- Ernährungsberatung
Neben körperlichen Funktionen spielen auch Krankheitsverarbeitung, psychische Stabilität und die Rückkehr in Familie und Beruf eine wichtige Rolle.
Warum der frühe Reha-Beginn wichtig ist
Bereits auf der Stroke Unit beginnen erste therapeutische Maßnahmen. Ein früher Übergang in die Rehabilitation kann entscheidend sein, um Fortschritte zu fördern und Folgeschäden zu minimieren. Besonders in den ersten Monaten und im ersten Jahr nach dem Schlaganfall bestehen oft gute Entwicklungsmöglichkeiten.
Moderne Therapieansätze
Robotik, Exoskelette und technische Assistenzsysteme können die Rehabilitation unterstützen:
- Bewegungen lassen sich häufiger und intensiver trainieren.
- Wiederholungen fördern das erneute Erlernen von Bewegungsabläufen im Gehirn.
- Die Technik ergänzt die therapeutische Arbeit, ersetzt sie aber nicht.
Wie sieht der Reha-Alltag aus?
Rehabilitation bedeutet aktive Mitarbeit. Patientinnen und Patienten absolvieren täglich individuelle Therapieprogramme mit Einzel- und Gruppentherapien. Gleichzeitig sind Erholung und Pausen wichtige Bestandteile des Behandlungsplans.
Was Betroffenen und Angehörigen Mut machen kann
Ein Schlaganfall ist für Betroffene und Angehörige oft eine große Belastung. Entscheidend sind Geduld, Unterstützung und gemeinsames Arbeiten an realistischen Zielen. Auch wenn nicht immer der vorherige Zustand erreicht werden kann, sind häufig deutliche Verbesserungen möglich – oft noch lange nach dem eigentlichen Ereignis.
Unsere Expertin
PD Dr. med. Saskia Meves ist Chefärztin der Fachklinik für Neurologie an der MEDICLIN Fachklinik Rhein/Ruhr. Sie verfügt über umfassende Erfahrung in der Behandlung neurologischer Erkrankungen und begleitet Patient*innen in der neurologischen Rehabilitation – darunter auch Menschen mit Post-COVID-Syndrom. Zudem ist sie FEES-zertifiziert (flexible endoskopische Evaluation des Schluckakts) und erfahren in der Diagnostik von Schluckstörungen.