Was sind die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen bei Menschen, die noch keinen Schlaganfall erlitten haben?
Es gibt Risikofaktoren, auf die man keinen Einfluss hat, wie Alter, Geschlecht und genetische Veranlagung. Umso wichtiger ist es, sein Augenmerk auf die Faktoren zu lenken, die man beeinflussen bzw. behandeln kann. Hierzu zählen Bewegungsmangel, Übergewicht, hoher Alkoholkonsum und Rauchen. Eine konsequente Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes, hohen Cholesterinwerten und Herzrhythmusstörungen ist elementar wichtig. Insgesamt kann man durch sein eigenes Zutun das Schlaganfallrisiko um bis zu 70% verringern.
Gibt es spezielle Früherkennungsuntersuchungen, die Auskunft über das individuelle Schlaganfallrisiko geben?
Ja, es gibt spezielle Früherkennungen von Schlaganfallrisiken, sog. Vorsorge-Checkups, die insbesondere von Risikogruppen in Anspruch genommen werden sollten. Diese Vorsorgeleistung wird von den meisten gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Hierzu sollte ein Gespräch bzw. eine Beratung mit dem*der Hausärzt*in erfolgen.
Es heißt, dass der regelmäßige Genuss von Rotwein oder dunkler Schokolade Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugen kann, stimmt das?
Es gab in den letzten Jahren viele widersprüchliche Aussagen über die Auswirkungen von Alkohol auf die Blutgefäße. 2019 konnten Forscher der Universität Oxford nachweisen, dass ein moderater Alkoholgenuss von 1 bis 2 Getränken pro Tag das Schlaganfallrisiko entgegen früherer Annahmen nicht senkt. Unstrittig ist, dass übermäßiger Alkoholkonsum das Risiko für einen Schlaganfall erhöht.
Dunkle Schokolade enthält besonders viel Kakao und in diesem stecken reichlich Pflanzenstoffe (Flavonoide), die das Herz-Kreislauf-System möglicherweise schützen. Einen ausreichenden Beweis für den gesundheitlichen Nutzen gibt es aber bislang nicht und selbst wenn sich ein positiver Effekt beweisen lassen sollte, löst Schokolade bei übermäßigem Konsum einen anderen Risikofaktor aus, nämlich das Übergewicht.
Worauf sollten Patient*innen nach einem Schlaganfall besonders achten, um einem erneuten Apoplex vorzubeugen?
Fast jeder zweite Patient stirbt innerhalb von fünf Jahren nach dem ersten Schlaganfall und jeder fünfte erleidet einen erneuten Schlaganfall innerhalb von fünf Jahren.
Die oben bereits genannten Maßnahmen, um das Risiko eines Schlaganfalls zu senken, gelten ebenso bei der Verhinderung eines zweiten Schlaganfalls. Auch hier gilt, selbst aktiv zu werden und seinen Lebensstil zu ändern, also das Rauchen aufzugeben, sich ausreichend zu bewegen und auf eine gesunde Ernährung zu achten.
Ganz entscheidend ist darüber hinaus die sogenannt Therapietreue, also die konsequente Einnahme der empfohlenen Medikamente zum Schutz vor einem erneuten Schlaganfall. Sieben von zehn Patient*innen nehmen ihre Medikamente nicht so ein, wie vom Arzt verordnet und gehen damit ein hohes Risiko ein.