© contrastwerkstatt - stock.adobe.com Fatigue, Konzentrationsprobleme, Muskelschwäche und eingeschränkte Belastbarkeit gehören zu den häufigsten Beschwerden bei Long COVID. Viele Betroffene leiden auch noch lange nach einer COVID-19-Erkrankung unter anhaltenden Symptomen. Je nach Dauer wird dabei auch vom Post-COVID-Syndrom gesprochen. Eine gezielte Ernährung kann helfen, den Körper zu unterstützen und im Alltag besser mit den Beschwerden umzugehen. Deshalb spielt sie auch in der Rehabilitation eine wichtige Rolle.
Warum Ernährung bei Long COVID so wichtig ist
Nach einer Infektion ist der Körper oft geschwächt und hat einen erhöhten Bedarf an Energie und Nährstoffen. Gleichzeitig zeigen viele Betroffene Veränderungen im Stoffwechsel oder im Darmmikrobiom.
Eine ausgewogene Ernährung kann dazu beitragen:
- das Immunsystem zu unterstützen
- Entzündungsprozesse im Körper zu reduzieren
- die Muskelkraft zu erhalten oder wiederaufzubauen
- die Darmgesundheit zu fördern
Grundprinzipien der Ernährung bei Long COVID
Wichtig ist vor allem: Die Ernährung sollte einfach umsetzbar und alltagstauglich sein. Komplexe Ernährungspläne können zusätzlich belasten – gerade bei Fatigue.
Deshalb gilt:
Entzündungshemmend und darmfreundlich essen
Bei Long COVID wird eine mediterrane, gemüsebetonte Ernährung empfohlen. Sie gilt als entzündungshemmend, liefert wichtige Nährstoffe und unterstützt ein gesundes Darmmikrobiom.
Typische Bestandteile einer entzündungshemmenden Ernährung bei Long COVID:
- viel Gemüse und Salat
- frisches Obst
- Vollkornprodukte
- Hülsenfrüchte
- fettreicher Fisch (z. B. Lachs, Makrele)
- hochwertige Pflanzenöle wie Olivenöl
Diese Kombination unterstützt sowohl das Immunsystem als auch ein gesundes Darmmikrobiom.
„Wir beobachten in der Rehabilitation, dass eine ausgewogene, entzündungshemmende Ernährung einen positiven Einfluss auf Belastbarkeit und Regeneration bei Long COVID haben kann.“
PD Dr. med. Saskia Meves, Chefärztin der Fachklinik für Neurologie an der MEDICLIN Fachklinik Rhein/Ruhr
Konkrete Ernährungstipps bei Long COVID
Eine ausgewogene Ernährung setzt auf nährstoffreiche, gut verträgliche Lebensmittel und eine regelmäßige Energiezufuhr. Ziel ist es, die Energieversorgung über den Tag zu stabilisieren und Erschöpfung (Fatigue) gezielt entgegenzuwirken.
Gemüse und Obst als Basis
- möglichst zu jeder Mahlzeit eine Portion Gemüse oder Obst einplanen
- insgesamt etwa 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst pro Tag
- besonders geeignet:
- Obst: Äpfel, Birnen, Zitrusfrüchte und Beeren
- Gemüse: Karotten, Artischocken, Brokkoli sowie Hülsenfrüchte
Ballaststoffe für Darm und Immunsystem
- unterstützen ein gesundes Darmmikrobiom
- tragen dazu bei, den Blutzucker gleichmäßig zu halten und Energieeinbrüche zu vermeiden
- empfehlenswerte Lebensmittel:
- Hafer und Gerste
- Vollkornbrot und Vollkornnudeln (niedriger glykämischer Index)
- Hülsenfrüchte
- Nüsse und Samen (z. B. Leinsamen, Chiasamen)
Gesunde Fette bewusst wählen
- wirken entzündungshemmend und liefern Energie
- geeignete Fettquellen:
- Olivenöl und Rapsöl (reich an ungesättigten Fettsäuren)
- omega-3-reiche Pflanzenöle wie Leinöl, Walnussöl oder Hanföl
Eiweißreiche Lebensmittel für Muskelerhalt
- wichtig bei Muskelschwäche und zur Regeneration
- gute Eiweißquellen:
- Fisch, Eier und Milchprodukte (z. B. Käse, Joghurt)
- pflanzliche Quellen wie Bohnen, Linsen, Nüsse und Samen
Energiereiche Lebensmittel bei Erschöpfung
- helfen, den erhöhten Energiebedarf bei Long COVID zu decken
- geeignete Lebensmittel:
- Avocados
- Joghurt und Milchprodukte
- Vollkornprodukte
- mageres Fleisch, Fisch und Eier
Regelmäßige Mahlzeiten einplanen
5 bis 6 Mahlzeiten pro Tag
Energie stabil halten im Alltag
So kann ein Ernährungstag bei Long COVID aussehen
Frühstück
Haferflocken (ca. 4 bis 5 EL) mit Naturjoghurt oder Milch, einer Handvoll Beeren (frisch oder tiefgekühlt) und 1 bis 2 EL Nüssen oder Samen (z. B. Walnüsse oder Leinsamen)
Zwischenmahlzeit am Vormittag
1 Apfel oder eine Birne + eine kleine Handvoll Nüsse
Mittagessen
Vollkornnudeln oder Naturreis mit gedünstetem Gemüse (z. B. Brokkoli, Karotten) und einer Eiweißquelle, z. B.
- Fisch (z. B. Lachs)
- oder Hülsenfrüchte (z. B. Linsen oder Kichererbsen)
dazu 1 EL Olivenöl
Zwischenmahlzeit am Nachmittag
- Naturjoghurt mit etwas Obst
oder 1 Scheibe Vollkornbrot mit Frischkäse
Abendessen
Leichte Mahlzeit, z. B.:
- Vollkornbrot mit Ei oder Hüttenkäse und Rohkost (z. B. Gurke, Tomate)
- oder eine Gemüsepfanne mit Tofu oder magerem Fleisch und etwas Rapsöl
Nahrungsergänzungsmittel bei Long COVID: Was ist sinnvoll?
Viele Long COVID-Betroffene greifen zu Vitaminen oder Nahrungsergänzungsmitteln. Das ist jedoch nicht immer notwendig.
Wichtig:
- Ein möglicher Nährstoffmangel (z. B. Vitamin D oder Eisen) sollte gezielt ärztlich abgeklärt werden.
- Eine eigenständige Einnahme vieler Präparate ist oft nicht sinnvoll.
In der Rehabilitation erfolgt daher häufig ein gezieltes Screening auf Nährstoffmängel.
Ernährung in der Rehabilitation bei Long COVID
In Rehakliniken wird die Ernährung bei Long COVID gezielt auf die individuelle Situation abgestimmt. Dazu gehören:
Ziel ist es, die Patient*innen nachhaltig zu unterstützen – mit Lösungen, die auch im Alltag funktionieren.
Unsere Expertin: PD Dr. med. Saskia Meves
Dieser Ratgebertext entstand in Zusammenarbeit mit PD Dr. med. Saskia Meves, Chefärztin der Fachklinik für Neurologie an der MEDICLIN Fachklinik Rhein/Ruhr. Sie verfügt über umfassende Erfahrung in der Behandlung neurologischer Erkrankungen und begleitet Patient*innen in der neurologischen Rehabilitation – darunter auch Menschen mit Post-COVID-Syndrom. Zudem ist sie FEES-zertifiziert (flexible endoskopische Evaluation des Schluckakts) und erfahren in der Diagnostik von Schluckstörungen und qualifiziert in Ernährungsmedizin.