Man unterscheidet je nach Auslöser oder Ursache folgende Arten des Schwindels. Zu den physiologischen Schwindelarten zählen:
- Bewegungskrankheit (Kinetose): Kinetosen, wie z. B. die Reisekrankheit oder die Seekrankheit, werden durch den physiologischen Schwindel ausgelöst, können aber im Einzelfall schwere Übelkeit und Erbrechen hervorrufen.
- Höhenschwindel: Wenn das Auge beim Blick aus großer Höhe keinen Fixpunkt mehr findet, kann ein Höhenschwindel auftreten. Auch der Höhenschwindel ist eine physiologische Körperreaktion.
Zu den pathololgischen Schwindelarten zählen:
- Phobischer Schwindel
- Drehschwindel
- Lagerungsschwindel
- Morbus Menière
- Akute Vestibulopathie
- Schwankschwindel
- Phobischer Attacken-Schwankschwindel
- Ohnmachtsgefühl
- unspezifischer Schwindel
Phobischer Schwindel
Beim phobischen Schwindel verstärken sich Ängste und Schwindel in bestimmten Situationen. Die Angst und das damit verbundene Schwindelgefühl stehen in keinem Verhältnis mehr zur auslösenden Situation. Zum phobischen Schwindel gehören beispielsweise Flugangst oder Höheneschwindel.
Drehschwindel
Es gibt einen horizontalen und einen vertikalen Drehschwindel.
- Beim horizontalen Drehschwindel haben die Betroffenen ohne äußeren Anlass das Gefühl, dass sich alles um sie herum dreht oder sie sich selbst drehen. Dieses Gefühl tritt in Attacken auf und kann wenige Sekunden bis zu Stunden oder sogar Tage andauern. In seltenen Fällen hört der Drehschwindel (Dauerdrehschwindel) nicht mehr auf.
- Beim vertikalen Drehschwindel haben die Betroffenen ständig das Gefühl, in einem Lift nach oben zu fahren oder ins Bodenlose zu fallen.
Der Drehschwindel kann von Störungen im Gleichgewichtsorgan oder der Gleichgewichtsnerven herrühren (vestibulärer Schwindel). Sehr kurze Drehschwindelattacken können auch durch starke Verspannungen und Fehlhaltungen der oberen Halswirbelsäule ausgelöst werden (zervikaler Schwindel). Eine besonders häufige Form des vestibulären Drehschwindels ist der Lagerungsschwindel. Weitere häufige Erkrankungen, die mit Drehschwindel einhergehen, sind beispielsweise Morbus Menière und die akute Vestibulopathie.
Lagerungsschwindel
Beim Lagerungsschwindel wird die Drehschwindelattacke durch jeden Lagewechsel des Kopfes ausgelöst. Er entsteht, wenn Steinchen aus dem Verteilungspunkt des Gleichgewichtsorgans in die Bogengänge (s.o.) gelangen. Lagerungsschwindel ist eine der häufigsten pathologischen Schwindelarten. Er kann wieder von alleine verschwinden, wenn der Körper die Steinchen in den Bogengängen abbaut oder sie zurück zum Verteilungspunkt fließen.
Der Arzt behandelt den Lagerungsschwindel mit dem sogenannten Lagerungsmanöver. Dabei verändert er ruckartig die Lage von Oberkörper und Kopf des Patienten auf eine bestimmte Art. Zweck des Manövers ist, die Steinchen wieder in den Verteilungspunkt zu verlagern.
Morbus Menière
Morbus Menière ist eine Erkrankung von Innenohr und Gleichgewichtsorgan. Sie verläuft schubweise mit Hörstörungen und Drehschwindel-Attacken. Auf lange Sicht kommt es zur Taubheit des betroffenen Ohres. Die Ursachen der Erkrankung sind unbekannt. Die Behandlung ist symptomatisch und auf den Einzelfall abgestimmt.
Akute Vestibulopathie
Bei der akuten Vestibulopathie fällt das Gleichgewichtsorgan eines Ohres aus. Die Ursache für den Ausfall des Organs ist meistens unbekannt. Stress gilt jedoch als Hauptrisikofaktor für die Erkrankung. Die akute Vestibulopathie führt zu einem starken Drehschwindel, der über ein bis zwei Wochen anhält. Danach gleicht das Gehirn den Ausfall des Gleichgewichtsorgans meist aus und der Drehschwindel flaut allmählich ab. Im akuten Fall können Medikamente das Schwindelgefühl lindern. Gezielte Krankengymnastik unterstützt das Gehirn dabei, die Fehlinformationen durch das defekte Organ auszugleichen.
Wenn neben dem Gleichgewichtssinn auch das Gehör des gleichseitigen Ohres betroffen ist, spricht man von einem Hör- und Gleichgewichtssturz.
Schwankschwindel
„Wie betrunken“ schildern Betroffene den Schwankschwindel. Tatsächlich tritt ein Schwankschwindel mit entsprechenden Bewegungsstörungen auch bei übermäßigem Alkoholkonsum auf. Er kann aber auch auf Schädigungen im Gehirn, genauer dem Hirnstamm hindeuten und muss daher neurologisch untersucht werden.
Phobischer Attacken-Schwankschwindel
Die Ursache eines phobischen Attacken-Schwankschwindels ist eine schwere Angststörung. Die Betroffenen erleiden plötzlich eine kurze Schwankschwindelattacke, die mit heftigen Angstgefühlen und körperlichen Symptomen wie Schweißausbrüchen, Herzklopfen, Zittern und innerer Unruhe verbunden sind. Eine Psychotherapie in Verbindung mit Medikamenten kann den Betroffenen helfen.
Ohnmachtsgefühl
Wenn Schwindel mit einem aufsteigenden Unwohlsein, Schwarzwerden vor Augen und/oder einer tatsächlichen Ohnmacht verbunden ist, deutet das auf eine Fehlregulation des Kreislaufs hin. Diese kann harmlos sein (z. B. wenn man aus einer Ruheposition zu schnell aufsteht) aber auch auf ein Herz-Kreislauf-Problem hindeuten.
Unspezifischer Schwindel
Häufig kann das Schwindelgefühl nicht eindeutig beschrieben und infolgedessen auch nicht eingeordnet werden. Man spricht dann von einem „unspezifischen Schwindel“. Er kann folgende Ursachen haben:
- körperliche oder geistige Überforderung (Insuffizienzschwindel)
- Überaufmerksamkeitsschwindel
- diffuse Angst
- Phobien
- Depressionen
- Sehstörungen
- Medikamente
- chronische Vergiftungen
Ein Überaufmerksamkeitsschwindel entsteht, wenn sich das Gehirn so intensiv mit dem Schwindelgefühl beschäftigt, dass es ihn ohne angemessenen äußeren Anlass selbst auslöst – ganz ähnlich einem Fehlalarm. Die Ursachen hierfür sind häufig in der Lebensgeschichte der Betroffenen zu finden.
Phobien sind unangemessen starke bis panische Ängste vor konkreten Situationen oder Dingen, z. B. Flugangst oder Platzangst.