Bei der Behandlung einer Fatigue muss genau differenziert werden: Fühlt sich der Patient erschöpft, weil er durch die Behandlung an Kondition eingebüßt hat oder leidet er an einem chronischen Erschöpfungssyndrom, dem sogenannten ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / das Chronische Fatigue Syndrom). Patient*innen mit einem ME/CFS müssen anders behandelt werden, da die Erkrankung eine Belastungsintoleranz mit sich bringt.
Die Therapeutinnen und Therapeuten der MEDICLIN haben viel Erfahrung in der Behandlung der Fatigue. Diese Erfahrung kommt aus der ständigen Weiterentwicklung der Therapien, dem Austausch untereinander und der Arbeit mit vielen Post-COVID-Betroffenen. Zusammen mit den Betroffenen finden sie die passende Behandlungsmethode.
Fatigue mit Belastungsintoleranz
Wenn die Fatigue (chronisches Erschöpfungssyndrom) mit einer sogenannten Belastungsintoleranz einhergeht, setzen wir Pacing als Therapiemethode ein. Die Belastungsintoleranz wird auch als Post-Excertional Malaise (PEM) bezeichnet. Bei einer PEM verschlechtern sich die Beschwerden schon nach leichter körperlicher oder geistiger Anstrengung. Die Verschlechterung tritt oft um mehrere Stunden bis Tage zeitverzögert nach Ende der Belastung auf und kann über einen längeren Zeitraum anhalten.
Ziel des Pacings ist es, stets unterhalb der individuellen körperlichen und psychischen Belastungsgrenze zu bleiben. Dabei ist es ist wichtig, Ihre Aktivitäten an Ihre körperlichen Energiegrenzen anzupassen. Dies kann Ihren Zustand stabilisieren und Ihre Symptome lindern. Indem Sie bewusst Pausen und Schonzeiten einplanen, können Sie Überlastungen vermeiden. Abwechselnde Phasen von Ruhe und mäßiger Aktivität – sowohl körperlich als auch geistig – helfen, Ihr autonomes Nervensystem zu regulieren und das Risiko der Überforderung zu verringern. Wir sensibilisieren Sie, auf die Signale Ihres Körpers zu hören und entsprechend zu handeln, um Ihr Wohlbefinden zu fördern.
Fatigue ohne Belastungsintoleranz
Viele Patient*innen fühlen sich erschöpft, weil sie durch die Erkrankung Kondition eingebüßt haben, sie zeigen aber keine Intoleranz. Dies ist oft bei Patient*innen mit zusätzlichen chronischen Erkrankungen der Fall. Die Anforderungen in der Bewegungstherapie steigen langsam, um Muskeln aufzubauen.
Konkrete Therapieziele bei Fatigue:
- körperliche Regeneration unter Vermeidung einer Überlastung
- Vertrauen in die körperliche Belastbarkeit durch gezieltes Training
- Schrittweise Verbesserung der Energie und des Durchhaltevermögens
- Verbesserung psychomotorischer Funktionen und kognitiver Einschränkungen
- Verbesserung des Schlafverhaltens
- Reduktion von Schmerzen
- Stressreduktion
- Strategien zur Krankheitsbewältigung und Krankheitsakzeptanz
Wir passen die Therapie stets individuell auf Sie an und berücksichtigen Ihre individuellen Belastungsgrenzen. Die Behandlung bei Fatigue beinhaltet u. a. kognitives Arbeitsplatztraining, psychologische Einzelgespräche und Entspannungstherapie.
Weitere Therapiebausteine der Post-COVID-Reha
- Konzentrations- und Gedächtnistraining/Ergotherapie
- leistungsadaptierte Bewegungs- und Sporttherapie
- Physiotherapie
- Medizinische Trainingstherapie
- Ergometer-Training
- Nordic Walking
- Yoga, Thai Chi, Qi Gong
- leichte Wanderungen
- Wassergymnastik
- Achtsamkeitsspaziergänge
- Atemtherapie/Atemgymnastik: Intensive Atemgymnastik mit speziellen Atemübungen je nach Belastbarkeit im Stehen/Gehen oder Sitzen
- Krafttraining
- Koordinationstraining
- Verbesserung der Körperwahrnehmung/des Körpergefühls
- Training des Gleichgewichts im Stand, im Gang und in der Bewegung
- Erweitern der Gehfähigkeit
- Training funktioneller Bewegungen
- Training kognitiver Funktionen durch z. B. Aufgaben zum Kurzzeitgedächtnis und zur Konzentration, Dual-Task-Aufgaben, motorische Lernvorgänge
- bewegungsbezogene Entspannung (Yoga, Tai Chi, Qi Gong)
- gestalterische Therapie
- Ernährungstherapie
- Geruchstraining
Psychologische Unterstützung
Indikationsspezifische Ziele unserer Interdisziplinären Post-COVID-Rehabilitation sind:
- die Krankheitsfolgen bewältigen und Lebensqualität fördern
- Strategien zur Krankheitsbewältigung erlernen und seelisch stabiler zu werden
- körperliche Krankheitssymptome reduzieren und Vertrauen in die körperliche Belastbarkeit durch gezieltes Training entwickeln
- Wissen im Umgang mit Stress und Belastungssituationen erweitern
- Verminderung von negativen Affekten wie Depression, Angst, Panik
- Verbesserung der Selbstwahrnehmung und des Selbstwertgefühls
- Persönlichkeitsmuster erkennen und eine gesunde Balance finden
- Verbesserung der Beziehungsfähigkeit und Erwerb von Problemlösefähigkeiten
- Klärung sozialmedizinischer Fragestellungen bei beruflichen Problemlagen im Rahmen einer medizinisch Beruflichen Rehabilitation (MBOR)