Die Wahrscheinlichkeit von Langzeitfolgen nach einer Corona-Infektion ist bei einem schweren Krankheitsverlauf im Allgemeinen höher als nach einer eher milden Erkrankung oder einem symptomfreien Verlauf. In Bezug auf das Erschöpfungssyndrom nach Corona scheint die Schwere des Verlaufs der akuten Phase jedoch eine geringere Rolle zu spielen.
In einer Studie aus Irland trat die Fatigue ähnlich häufig bei Patient*innen auf, die zu Hause behandelt wurden (leichter Verlauf), wie bei denen, die eine stationäre oder intensivmedizinische Behandlung benötigten. In der gleichen Studie stellten die Forscher auch fest, dass die Patient*innen, die unter der „Post-Corona-Fatigue“ litten, häufiger weiblichen Geschlechts waren als Patient*innen mit anderen Corona-Folgen. Darüber hinaus zeigte die Studie, dass die Fatigue- Patient*innen in der Vergangenheit häufiger von Depressionen und Angststörungen betroffen waren als die Durchschnitts-Post-Covid-Patient*innen. (Townsend et al., 2020)
Ursachen für das Fatigue-Syndrom nach Corona
Über die Ursachen des Erschöpfungssyndroms Fatigue ist noch wenig bekannt. Man geht davon aus, dass verschiedene körperliche aber auch seelische und soziale Faktoren an der Entstehung des Gefühls der tiefen Erschöpfung und andauernden Müdigkeit im Einzelfall beteiligt sind.
Mögliche körperliche Auslöser des Fatigue-Syndroms nach einer Corona-Infektion:
- Sauerstoffmangel
- Bewegungsmangel
- Stoffwechselveränderung
- Muskelabbau
- Immunreaktionen
- Nebenwirkungen der Medikamente
- Körperlicher Stress des gesamten Körpers
Die Rolle der Psyche bei Fatigue nach der Corona-Erkrankung
Über die körperlichen Symptome und Beschwerden hinaus berichten viele Betroffene über psychische Probleme infolge der Corona-Erkrankung, die zur Entstehung der Fatigue beitragen. Die Angst um Leben und Gesundheit während der akuten Phase aber auch die notwendige Isolierung und Trennung von Angehörigen und Freunden in dieser schwierigen Lebenssituation haben bei vielen Patient*innen tiefe seelische Wunden hinterlassen.
Die Einweisung auf die Intensivstation oder die künstliche Beatmung, die in der akuten Phase von Covid-19 lebensrettend waren, können auch zu einem bleibenden Gefühl des Kontrollverlusts und der Hilflosigkeit sowie zu tiefsitzenden Ängsten führen. Bei einigen Betroffenen rufen die bedrohlichen Corona-Erfahrungen eine posttraumatische Belastungsreaktion hervor, die man vor allem von Gewalt- oder Katastrophenopfern her kennt. (Janiri et al.2021)
Psychosoziale Faktoren, die zum Erschöpfungssyndrom nach Corona beitragen
Bei oder nach einer Erkrankung an Corona können auch soziale Faktoren das Fatigue-Syndrom auslösen oder verstärken. Die Pandemie und ihre allgemeinen Folgen führen häufig zu psychosozialen Problemen.
Die Isolation durch die Infektionsschutzregeln, finanzielle Sorgen, infolge mangelnder oder fehlender Einnahmen durch die pandemiebedingte Wirtschaftskrise oder die Unsicherheit, wie es nach der akuten Erkrankung an Corona beruflich und privat weitergeht, können sehr belastend sein und viel Energie kosten. Fehlende Unterstützung oder fehlendes Verständnis durch die Familie oder im Freundeskreis können die Erschöpfung und das Gefühl der Kraftlosigkeit noch verstärken.