Multiple Sklerose (MS): Symptome, Verlauf und Behandlung
Die Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems, die ganz unterschiedlich verlaufen kann. Welche Symptome bei Multipler Sklerose auftreten, welche Formen es gibt und wie die Krankheit behandelt wird, lesen Sie in diesem Artikel.
Was ist eine Multiple Sklerose (MS)?
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der das körpereigene Immunsystem Teile von Gehirn und Rückenmark angreift. Deshalb zählt die MS zu den Autoimmunerkrankungen. Die autoimmunen Prozesse bei einer Multiplen Sklerose bewirken, dass unter anderem Nervenfasern und Nervenzellen geschädigt werden und so Informationen fehlerhaft oder gar nicht weitergeleitet werden. Dadurch können vielfältige neurologische Funktionen gestört sein, wie z. B. das Sehen oder Bewegungsabläufe. Neurologische Symptome treten entweder in Schüben auf oder entwickeln sich langsam schleichend.
Die Multiple Sklerose ist derzeit nicht heilbar. Es gibt aber Therapien, die die Schübe verhindern, die Zunahme der Behinderung reduzieren und MS-Symptome lindern können. Häufig gelingt es, die Krankheitsaktivität für Jahre zu stoppen.
Podcast: Multiple Sklerose
Welche Vorteile eine ambulante, stationäre und rehabilitative Behandlung an einem Standort für MS-Patient*innen hat, erklären zwei Mediziner des MEDICLIN Krankenhauses und Reha-Zentrums Plau am See in dieser Folge unserer Podcast-Staffel "Ihr Gesundheitsratgeber".
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Rido - stock.adobe.comSymptome einer Multiplen Sklerose
Die MS kann zu einer großen Vielfalt an Symptomen führen und wird nicht umsonst die Krankheit der 1000 Gesichter genannt. Zu den typischen MS-Symptomen gehören:
- Kraftlosigkeit einzelner oder mehrerer Extremitäten
- Gefühlsstörungen (z.B. Taubheitsgefühl, Kribbeln)
- Sehstörungen (z.B. schmerzhafte Einschränkung der Sehkraft auf einem Auge, Doppelbilder)
- erhöhte Muskelanspannung (Spastik)
- Gangstörung mit Einschränkung der Gehstrecke
- verringerte geistige Leistungsfähigkeit z.B. durch Konzentrations-, Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisstörungen
- vermehrte Ermüdbarkeit (Fatigue), sowohl bei körperlicher als auch bei geistiger Betätigung
- gestörte Entleerung von Harnblase und/oder Darm
- sexuelle Störungen
Häufiger als in der allgemeinen Bevölkerung treten bei der MS auch Depression, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und eine Epilepsie auf.
Verlauf, Folgen und Prognose der MS-Krankheit
Der Verlauf einer Multiplen Sklerose ist individuell sehr unterschiedlich. Ohne eine krankheitsmodifizierende Therapie entstehen bei den meisten Menschen mit MS früher oder später neurologische Einschränkungen, die die Lebensqualität verringern. Die sogenannte „gutartige“ Verlaufsform der MS, bei der auch ohne Therapie noch nach 20 Jahren keine Einschränkungen bestehen, ist sehr selten.
Im Laufe der Zeit können Erwerbstätigkeit, Alltagsaktivitäten und die soziale Teilhabe der Betroffenen eingeschränkt sein.
Mit den aktuell verfügbaren Medikamenten kann die Häufigkeit der Schübe reduziert werden. Die Zunahme der körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen kann ebenfalls reduziert oder ganz verhindert werden.
Kann die MS zu einem Stillstand kommen?
Wenn eine schubförmige Multiple Sklerose frühzeitig und konsequent behandelt wird, kann bei einem großen Teil der Betroffenen das Voranschreiten der Erkrankung verhindert werden. Es gibt auch Krankheitsverläufe, bei denen die MS von alleine zum Stillstand kommt. Solche Verläufe sind aber selten.
Kann eine MS einfach wieder verschwinden?
Die Multiple Sklerose ist eine chronische, lebenslange Erkrankung. Es gibt Phasen in denen die Erkrankung nicht aktiv ist. Solche Phasen sind mit einer krankheitsmodifizierenden Therapie häufiger.
Rehabilitation bei Multipler Sklerose
Die MS-Therapie erfolgt hauptsächlich ambulant durch verschiedene Fachärzt*innen und medizinische Fachkräfte. Fachverbände empfehlen zusätzlich zu dieser medizinischen Versorgung neurologische Rehabilitationsbehandlungen für Patient*innen mit Multipler Sklerose.
Warum eine Rehabilitation bei Multipler Sklerose sinnvoll ist
- Wissenschaftliche Studien belegen, dass die neurologische Rehabilitation bei Multipler Sklerose gut und nachhaltig wirkt.
- In der Rehabilitation arbeiten verschiedene Fachärzt*innen und medizinische Fachkräfte in Teams eng zusammen und erarbeiten einen Behandlungsplan, der auf die individuellen Bedürfnisse der MS-Patient*innen abgestimmt ist.
- Bei Veränderungen während der Rehabilitation oder neuen Befunden kann das Behandlungsteam den Behandlungsplan anpassen.
- In der Rehabilitation lernen MS-Patient*innen, wie sie typischen Komplikationen infolge der MS-Krankheit, wie beispielsweise häufige Harnwegsinfektionen, vorbeugen können.
- MS-Patient*innen mit Behinderungen infolge der Multiplen Sklerose lernen und trainieren in der Rehabilitation, wie sie mit diesen umgehen können.
- In der Rehabilitation gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Betroffenen zu helfen, ihre MS-Krankheit psychisch zu bewältigen.
- Im Rahmen einer Rehabilitation fördern und trainieren Therapeut*innen gezielt die geistige Leistungsfähigkeit der MS-Patient*innen.
MS-Rehabilitationskliniken finden
Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) hat Kriterien für die Rehabilitationsbehandlung der MS-Krankheit entwickelt. Kliniken, die diese Kriterien erfüllen, erhalten ein Zertifikat als „Anerkanntes MS-Rehabilitationszentrum“. Dieses Zertifikat wird alle zwei Jahre überprüft und erneut verliehen. Kliniken, die diese anerkannte Rehabilitationsbehandlung bei Multipler Sklerose bieten, findet man auf den Webseiten der DMSG.
Hier geht’s zu den MEDICLIN Reha-Kliniken für Multiple Sklerose
Ambulante oder stationäre Reha? Welche Vorteile hat eine stationäre Reha-Behandlung?
Eine rehabilitative Behandlung bei Multipler Sklerose kann grundsätzlich ambulant, tagesklinisch und stationär durchgeführt werden. Die stationäre MS-Rehabilitation hat aber folgende Vorteile:
- In der stationären Rehabilitation entfallen Belastungen z. B. durch den Haushalt und die Berufstätigkeit.
- Der Abstand zur gewohnten sozialen Umgebung hilft vielen MS-Patient*innen dabei, sich auf sich selbst und ihre Behandlung zu konzentrieren.
- Die Behandlungsteams sind vor Ort: Die Wege zu den Expert*innen sind kurz.
- Notfälle werden schnell erkannt und behandelt.
Fragen an den Experten
Prof. Dr. med. Andreas Bitsch, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Stroke Unit am MEDICLIN Krankenhaus Plau am See:
Welche Nebenwirkungen können bei einer Immuntherapie auftreten?
Wir unterscheiden zwischen subjektiv empfundenen Nebenwirkungen und Risiken. Erstere können lästig sein und auch die Lebensqualität verschlechtern, sind aber in der Regel nicht gefährlich. Dazu gehören zum Beispiel die grippeähnlichen Nebenwirkungen der Interferone, die Hautreaktionen der injizierbaren Medikamente, die vorübergehende Gesichtsrötung nach Dimethylfumatrat oder der leichte Haarausfall nach Teriflunomid.
Echte Risiken der Therapie sind selten, können aber zu mehr oder weniger schweren Folgeerkrankungen führen. Hierzu zählen zum Beispiel Infektionskrankheiten durch Medikamente, die das Immunsystem an der einen oder anderen Stelle hemmen.
Kann der Verlauf einer MS-Krankheit durch Ernährung und Sport positiv beeinflusst werden?
Die Frage nach dem Sport kann mit einem eindeutigen „ja“ beantwortet werden. Regelmäßiger Ausdauersport und durchaus auf Kraftsport – angepasst an die Möglichkeiten des Einzelnen – können den Krankheitsverlauf verbessern.
Die Frage nach der Ernährung ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Vermutlich ist eine gesunde Ernährung auf für MS-Patienten hilfreich. Dazu gehört die Einschränkung des Verzehrs von rotem Fleisch. Stattdessen sollen frisches Obst und Gemüse und gerne auch einmal Fisch im Vordergrund stehen. Auf zu viel Salz sollte verzichtet werden. Normalgewicht sollte angestrebt werden. Es gibt eine Reihe von sog. „MS-Diäten“. Keine hat zweifelsfrei eine Wirksamkeit bezüglich eines besseren Krankheitsverlaufs bewiesen.
Können Vitamin-D-Kuren der MS-Krankheit vorbeugen oder ihren Verlauf verbessern?
Auch das konnte bisher nicht nachwiesen werden. Viele Menschen mit MS haben einen Vitamin D-Mangel und es ist vermutlich richtig, diesen Mangel durch Vitamin-D-Gabe zu beheben. Ob das aber wirklich gegen die MS hilft, ist unbewiesen.
Was sollten Frauen mit Multipler Sklerose beachten, wenn sie schwanger werden wollen?
Für Frauen mit MS ist es wichtig zu wissen, ob sie gefahrlos mit ihrem Medikament schwanger werden können. Es gibt Medikamente, bei denen das nicht empfohlen wird, weil Fehlbildungen möglich sind. Besteht Kinderwunsch, ist ein ausführliches Gespräch mit der behandelnden Neurologin oder dem behandelnden Neurologen absolut empfehlenswert. Eine Schwangerschaft ist in der Regel unproblematisch für Frauen mit MS, aber es gibt viel zu besprechen zu diesem Thema.
Wie hoch ist das Risiko, dass Kinder von MS-Betroffenen ebenfalls an Multipler Sklerose erkranken?
Das Risiko ist gering. MS ist keine Erbkrankheit. Eine leicht vermehrte Neigung, MS zu bekommen, wird den Nachkommen aber mit auf den Weg gegeben. Die Wahrscheinlichkeit, selbst MS zu bekommen, liegt für Kinder von Eltern mit MS im einstelligen Prozentbereich.

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Leben mit MS/Selbsthilfe
Die Diagnose Multiple Sklerose ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen häufig mit Sorgen und Ängsten verbunden. Zuverlässige Informationsquellen und die Berichte von Betroffenen können Ihnen helfen, die Diagnose Multiple Sklerose besser zu verarbeiten und für sich einzuordnen.
Der Internetauftritt der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft bietet Ihnen vielfältige Informationen zum Leben mit Multipler Sklerose, zum Beispiel auch zu Themen wie „Schwangerschaft und Multiple Sklerose“. Auf den DMSG-Webseiten erzählen MS-Betroffene, wie sie mit der Krankheit leben und wie sie ihren Alltag bewältigen.
Wenn Sie direkten Kontakt zu MS-Betroffenen suchen, finden Sie auf den DMSG-Seiten Adressen von Selbsthilfegruppen.
Auf der Internet-Plattform MS Connect der DMSG können sich MS-Betroffene in einem geschützten Rahmen über ihre Krankheit austauschen. Um die Sicherheit der Teilnehmer*innen zu gewährleisten, haben zu der nicht-öffentlichen Plattform nur Mitglieder der DMSG oder Menschen, die nach der Registrierung von DMSG authentifiziert wurden, Zugang.













