Schlaganfall – und plötzlich ist alles anders

Jeder Schlaganfall bedeutet einen großen Einschnitt. Die Behandlung kann langwierig sein. Der Schlaganfall ist nicht nur die dritthäufigste Todesursache, sondern auch der häufigste Grund für Langzeitbehinderungen bei Erwachsenen.

Was ist ein Schlaganfall?

Mich trifft der Schlag! Diese häufig so gedankenlos benutzte Redensart, hat für viele Menschen eine sehr ernste Bedeutung, denn sie haben einen realen Schlaganfall erlitten. Doch was ist ein Schlaganfall eigentlich? Von einem Schlaganfall oder Apoplex spricht man, wenn bestimmte Funktionen des Gehirns infolge einer Durchblutungsstörung oder einer Blutung ausfallen. Halten diese Ausfallerscheinungen länger als 24 Stunden an, liegt ein vollendeter Schlaganfall vor. Bestehen die beobachteten Ausfallerscheinungen nur vorübergehend, spricht man von einer transitorisch ischämischen Attacke (TIA).

Zahlen und Fakten zum Schlaganfall

  • Alle zwei Minuten erleidet in Deutschland ein Mensch einen Schlaganfall.
  • Je älter Menschen werden, desto größer ist ihr Schlaganfallrisiko. Bei den 75-84-Jährigen erleiden jährlich 1.200 pro 100.000 einen Schlaganfall.
  • 15 Prozent der Schlaganfälle treten bei Menschen unter 55 Jahren auf. Das sind in Deutschland rund 30.000 Schlaganfälle pro Jahr.
  • Schlaganfälle sind weltweit die zweithäufigste Todesursache. In Deutschland ist der Schlaganfall nach Herzinfarkt und Krebs die dritthäufigste Todesursache. Innerhalb des ersten Jahres nach einem Schlaganfall sterben ein Viertel bis ein Drittel der Patient*innen.
  • Der Hirnschlag gehört darüber hinaus zu den häufigsten Ursachen von Behinderung im Erwachsenenalter. Bis zu 40 Prozent der Überlebenden des akuten Schlaganfalls sind im Alltag längerfristig eingeschränkt, wie zum Beispiel bei der Fortbewegung, der Körperpflege oder dem selbstständigen Ankleiden und Essen. Viele benötigen dauerhaft Hilfe im Alltag, manche auch Pflege.

Verschiedene Formen des Schlaganfalls

Der Schlaganfall ist keine einheitliche Erkrankung. Es werden zwei Formen des Schlaganfalls unterschieden: 80 Prozent aller Schlaganfall-Patient*innen erleiden einen ischämischen Schlaganfall (auch Hirninfarkt genannt), die restlichen 20 Prozent haben eine Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall).

Der ischämische Schlaganfall (Hirninfarkt)

Ein ischämischer Schlaganfall entsteht, wenn das Hirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und deshalb Nervenzellen absterben. Meist ist ein Gefäß verstopft und verursacht so eine Minderdurchblutung des Gehirns. Ursache sind oft Einengungen oder Verschlüsse der hirnversorgenden Arterien. Man unterscheidet zwei Hauptursachen für den Gefäßverschluss bei einem Schlaganfall die Thromboembolie und die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose).

  • Ein Hirninfarkt durch Thromboembolie entsteht, wenn sich im Herzen oder den großen hirnversorgenden Gefäßen, wie zum Beispiel der Halsschlagader, ein Pfropfen aus geronnenem Blut (Thrombus) bildet. Wenn sich dieser Thrombus von seinem Ursprungsort ablöst, kann er in die Hirngefäße geschwemmt werden und diese so verstopfen, dass nur sehr wenig oder gar kein Blut mehr hindurchfließen kann.
  • Bei einem Schlaganfall durch eine Arteriosklerose entwickelt sich die Verstopfung direkt im Hirngefäß oder den hirnversorgenden Halsgefäßen. Die Arteriosklerose oder Gefäßverkalkung entsteht an den beschädigten Innenseiten der Gefäßwände, wo sich immer mehr Ablagerungen ansammeln und dabei das Gefäß zunehmend verengen, bis schließlich auch hier kaum oder gar kein Blut mehr durchfließen kann.

Der hämorrhagische Schlaganfall (Hirnblutung)

Bei der Hirnblutung, dem hämorrhagischen Schlaganfall, platzt ein Blutgefäß direkt im Gehirn und schädigt das Nervengewebe. Dies liegt oft daran, dass der Blutdruck in den Arterien zu hoch ist oder die Gefäßwände durch Arteriosklerose oder anderweitig geschädigt sind. Eine Hirnblutung kann auch durch Gefäßmissbildungen, so genannte Aneurysmen, entstehen.

Wenn es zum Platzen oder Reißen eines Blutgefäßes zwischen der mittleren Hirnhaut (Arachnoidea) und der weichen Hirnhaut kommt, spricht man von einer Subarachnoidalblutung. Sie ist mit zwei bis fünf Prozent der Fälle die seltenste Ursache für einen Schlaganfall.

„Leichte“ Schlaganfälle nicht auf die leichte Schulter nehmen!

Insbesondere nachts während des Schlafs können sich auch sogenannte stumme oder stille Hirninfarkte ereignen. Das sind Schlaganfälle, die von den Betroffenen nicht bemerkt werden, weil sie bei ihrem Auftreten schlafen und die stillen Hirninfarkte als leichte Schlaganfälle keine starken oder auffälligen Beschwerden verursachen. Diese stummen leichten Schlaganfälle lassen jedoch kleine Schäden im Gehirngewebe zurück. Wenn sich die stummen Hirninfarkte häufiger ereignen, sammeln sich die Schäden im Gehirn an und rufen im Laufe der Zeit doch Beschwerden hervor.

Eine weitere leichte Form des Schlaganfalls ist die transitorisch ischämische Attacke (TIA). Bei einer TIA treten vorübergehend Schlaganfallsymptome auf. Sie hinterlässt keine bleibenden Beschwerden und Einschränkungen. Die TIA kann jedoch ein Warnzeichen füreinen bevorstehenden schweren Schlaganfall sein. Tatsächlich berichtet fast die Hälfte der Schlaganfall-Patient*innen, dass sie im Vorfeld ihres Apoplexes vorübergehende Ausfallerscheinungen oder andere Schlaganfallsymptome hatten. Selbst wenn der TIA kein vollendeter Apoplex folgt, ist sie ein wichtiges Alarmsignal, das auf keinen Fall ignoriert werden darf, denn die TIA weist daraufhin, dass es im Gehirn Probleme mit der Blutversorgung gibt, die dringend behandelt werden müssen.

Symptome des Schlaganfalls

Charakteristisch für einen Schlaganfall ist der plötzliche Ausfall von Gehirnfunktionen. Die Patient*innen erleben von einem Moment auf den anderen beispielsweise starke Kopfschmerzen, eine unerklärliche Schwäche oder gar Lähmung eines Körperteils, oder auch Seh- und Sprachstörungen. Diese Symptome können auch kurzfristig wieder verschwinden (transitorisch ischämische Attacke, abgekürzt TIA). Es besteht dann jedoch das Risiko, dass sich später noch ein weiterer schwerer Schlaganfall ereignet.

Vorzeichen für einen Schlaganfall

Vorzeichen für einen Schlaganfall

  • kurzfristige Lähmung, Schwäche oder Taubheit einer Körperhälfte
  • kurzfristige Sehstörungen bis hin zum vorübergehenden Erblinden eines Auges
  • vorübergehende Sprachstörungen: Sowohl das Verstehen von Sprache als auch das Sprechen können gestört sein.
  • Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen, Drehschwindel, plötzliche Stürze
  • erstmalig und plötzlich auftretende, extrem starke Kopfschmerzen
  • vorübergehende Bewusstseinsstörungen oder Desorientierung in Bezug auf Raum, Zeit oder Personen

Wenn auch nur eines dieser Vorzeichen auftritt oder nur kurz anhält, besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall oder ein akut erhöhtes Schlaganfallrisiko.

Bei Verdacht auf Schlaganfall sofort die Rettung rufen!

Bei Verdacht auf Schlaganfall sofort die Rettung rufen!

Der Therapieerfolg bei einem Schlaganfall hängt maßgeblich, davon ab, wann der Patient oder die Patientin ärztlich behandelt wird. Je länger ein Schlaganfall unbehandelt bleibt, desto mehr Gehirngewebe geht unwiederbringlich zugrunde. Die besten Chancen auf gute Behandlungsergebnisse bei einem Apoplex bestehen, wenn er bereits eine Stunde nach dem Einsetzen der Symptome zielgerichtet behandelt wird.

Alarmieren Sie daher beim leisesten Verdacht auf einen Schlaganfall sofort den Rettungsdienst. Äußern Sie bereits beim Gespräch mit der Notrufzentrale, dass ein Verdacht auf Schlaganfall besteht, damit die Rettungskräfte alles Erforderliche für eine unverzügliche Behandlung in einer „Stroke Unit“ vorbereiten können.

Symptome und Beschwerden beim akuten Schlaganfall

Je nach Ort und Schwere der Durchblutungsstörung im Gehirn kann es zu unterschiedlichen Ausfällen und Symptomen verschiedenen Schweregrades kommen.

Zu den Funktionsausfällen bei einem Hirnschlag zählen:

  • Lähmungen: Es können leichte Lähmungen von Gesicht oder Arm bis hin zur kompletten Lähmung einer Körperhälfte (Halbseitenlähmung) auftreten. Eine Lähmung der Gesichtsmuskulatur ist häufig an einem einseitig herunterhängenden Mundwinkel zu erkennen. Bei einer Halbseitenlähmung ist der Arm meist stärker betroffen als das Bein.
  • Sprachstörungen: Die Patient*innen können Gegenstände oder Personen nicht mehr mit den passenden Begriffen oder Namen benennen und/oder sie können nicht mehr verstehen, was andere ihnen sagen.
  • Sehstörungen: Die Patient*innen sehen beispielsweise Doppelbilder, ihr Gesichtsfeld kann eingeschränkt sein, auch Blindheit auf einem Auge ist möglich.
  • Gefühlsstörungen: Manche Patient*innen haben Taubheitsgefühle in bestimmten Körperregionen, andere Missempfindungen, wie Kribbeln oder eine Berührungsempfindlichkeit.
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zum Bewusstseinsverlust

Folgende Symptome können einen Schlaganfall begleiten:

  • sehr starke Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Stroke Unit

Bei einer „Stroke Unit“ handelt es sich um ein auf akute Schlaganfälle spezialisierte Zentrum, dass an vielen neurologischen und internistischen Kliniken eingerichtet wurde. Die „Stroke Units“ gewährleisten eine optimale ärztliche Versorgung von Patient*innen mit Schlaganfall.

Risikofaktoren für einen Schlaganfall

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall:

  • ein bereits erlittener Schlaganfall
  • eine transitorisch ischämische Attacke
  • ein oder mehrere stumme Hirninfarkte
  • hoher Blutdruck
  • hohe Cholesterin- und Zuckerwerte im Blut
  • Arteriosklerose (Gefäßverkalkung)
  • andere Krankheiten der Blutgefäße
  • Vorhofflimmern
  • Diabetes mellitus
  • Rauchen
  • starkes Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • übermäßiger Alkoholkonsum

Folgen eines Schlaganfalls

Die Folgen von Schlaganfällen sind häufig schwerwiegend: Die Betroffenen können danach auf einen Rollstuhl angewiesen, vielleicht halbseitig gelähmt und kaum in der Lage zu sprechen sein. „Ein Großteil unserer Patient*innen leidet an den  z.T. erheblichen Auswirkungen eines solchen Schlaganfalls“, sagt Petra Mummel, Chefärztin für Neurologie an der MEDICLIN Hedon Klinik in Lingen.

Die Folgen eines Schlaganfalls hängen von seiner Schwere, dem Ort und der Ausdehnung der Durchblutungsstörung und vom Zeitpunkt des Therapiebeginns ab.  Da die Blutgefäße in der Regel nur eine Gehirnhälfte mit Blut versorgen und diese eine Hirnhälfte für die jeweils gegenüberliegende Körperseite zuständig ist, zeigen sich die Folgen eines Schlaganfalls häufig einseitig. Bei einem Schlaganfall in der linken Gehirnhälfte kann es zum Beispiel zu Lähmungen auf der rechten Körperseite kommen.

 

Welche konkreten Folgen auftreten können

  • Einschränkungen der Bewegung und der Koordination der Muskulatur auf einer Körperseite: z. B. Muskelschwäche, Lähmung eines Beines, Probleme mit der Feinmotorik, Spastik
  • Störung des Sprachvermögens und Sprachverstehens (Aphasie) sowie Sprach- und Sprechstörungen (Dysarthrie)
  • Schluckstörungen
  • Kognitive Störungen: z. B. Störungen der Konzentration und des Gedächtnisses, Unsicherheit, Orientierungslosigkeit, Wortfindungsstörungen
  • Sehstörungen: Doppelbilder, Halbseitenblindheit
  • Aufmerksamkeitsstörung / Neglect: Die Betroffenen nehmen Sinnesinformationen auf einer Körperseite nicht mehr wahr. Sie essen beispielsweise nur eine Hälfte des Tellers leer oder sie waschen nur eine Körperhälfte. Außenstehenden fällt diese Störung meist sehr schnell auf, die Betroffenen hingegen sind sich dieser Störung häufig nicht bewusst.
  • Affekt- und Antriebsstörungen: z. B. Depressionen, Persönlichkeitsveränderungen
  • Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen

Diagnostik des Schlaganfalls

Bei Verdacht auf Schlaganfall muss alles möglichst schnell gehen — auch die Diagnostik. Zuerst erfolgt eine neurologische Untersuchung. Danach kann der Neurologe oder die Neurologin meist mit großer Sicherheit die Diagnose „Schlaganfall“ stellen oder auch ausschließen. Für die weitere Behandlung benötigen die Ärzt*innen aber noch mehr Informationen. Sehr wichtig ist es beispielsweise zu wissen, ob es sich um einen Hirninfarkt oder eine Hirnblutung handelt. Aber auch Ort und Schwere des Schlaganfalls sind für die gezielte Behandlung des Schlaganfalls sehr bedeutend.

Weiterführende Untersuchungen bei einem akuten Schlaganfall:

  • Die entscheidenden Informationen liefert hier in den meisten Fällen eine Computertomographie (CT) des Kopfes.
  • Falls noch Informationen benötigt werden, wird eine Kernspintomographie (Magnetresonanz-Tomographie, MRT) durchgeführt.
  • Ultraschalluntersuchungen können helfen, um die Blutgefäße zu beurteilen.
  • Bei der Angiographie werden die Blutgefäße im Gehirn auf Anomalien untersucht. Sie wird auch während der Thrombektomie, einer Behandlungsmethode des Hirninfarkts eingesetzt.
  • Mithilfe eines Elektrokardiogramms (EKG) können die Ärzt*innen feststellen, ob Rhythmusstörungen oder eventuell ein Herzinfarkt vorliegt.
  • Ein Elektroenzephalogramm (EEG) kann Störungen der Gehirnströme anzeigen.
  • Sehr selten wird auch das Gehirnwasser (Liquor)  untersucht, ob möglicherweise eine Entzündung oder eine unerkannte Subarachnoidalblutung vorliegt.  
Kennen Sie den FAST-Test?

Kennen Sie den FAST-Test?

Der FAST-Test ist ein Schnelltest für die Erkennung eines Schlaganfalls, der auch von medizinischen Laien durchgeführt werden kann. Das Merkwort FAST setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Worte face (Gesicht), arms (Arme), speech (Sprache) und time (Zeit) zusammen.

Wenn Sie bei den Bewegungen im Gesicht oder der Arme Seitenunterschiede (z. B. schiefes Gesicht, Lähmungen einer Körperseite) feststellen und/oder die Aussprache des oder der Betroffenen undeutlich oder verwaschen ist, hat er oder sie möglicherweise einen Schlaganfall. Der Rettungsdienst muss sofort alarmiert werden!

Der FAST-Test kann auch zu BE-FAST erweitert werden:

Balance (Gleichgewicht): Ist das Gleichgewicht des oder der Betroffenen gestört?

Eyes (Augen): Leidet der oder die Betroffene unter plötzlich aufgetretenen Sehstörungen?

Therapie des akuten Schlaganfalls

Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall! Ein Apoplex sollte schnellstmöglich am besten in einem auf Schlaganfälle spezialisierten Zentrum, der sogenannten „Stroke Unit“, behandelt werden. Die Akutbehandlung des Hirnschlags hat zum Ziel, das Leben der Betroffenen zu retten und die Folgen des Schlaganfalls so klein wie möglich zu halten.

Je eher die Therapie nach einem Schlaganfall einsetzt, desto besser sind die Aussichten der Patient*innen, dass sich die Spätfolgen wie bleibende Beeinträchtigungen und Behinderungen in Grenzen halten oder die Patient*innen sogar vollständig genesen. Man weiß heute, dass bereits die erste Stunde nach dem Auftreten von Schlaganfallsymptomen entscheidend für den Krankheitsverlauf ist. Eine zielgerichtete Behandlung in diesem Zeitfenster kann den Krankheitsverlauf deutlicher zum Besseren wenden als Therapien, die erst danach begonnen werden.

Maßnahmen beim akuten Schlaganfall

Patient*innen mit einem Schlaganfall befinden sich in einer akut lebensbedrohlichen Situation. Daher bestehen die ersten Maßnahmen von Rettungskräften und Ärzt*innen darin, die Patient*innen zu stabilisieren. Alle weiteren Maßnahmen finden unter einer engmaschigen Kontrolle aller lebenswichtigen Funktionen des Organismus statt.

Bevor die Ärzt*innen die eigentliche Schlaganfallbehandlung einleiten, müssen sie zuerst feststellen, ob es sich um einen Hirninfarkt oder eine Hirnblutung handelt, denn die Therapie beider Schlaganfallarten unterscheidet sich fundamental. Die Diagnose Hirninfarkt oder Hirnblutung wird durch CT- oder MRT-Untersuchungen gestellt.

  • Bei einem Hirninfarkt durch eine Thromboembolie, wenn also ein Blutpfropf ein Blutgefäß verschlossen hat, versuchen die Ärzt*innen den Blutpfropf aufzulösen. Man spricht hier von einer Thrombolyse. Hierzu setzen die Ärzt*innen bestimmte Medikamente, sogenannte Thrombolytika ein, die sie den Schlaganfallpatient*innen über Infusionen verabreichen. .

Wenn die intravenöse Lysetherapie nicht ausreicht, kann der Blutpropf in spezialisierten Kliniken mittels eines Gefäßkatheters (interventionelle Thrombektomie) entfernt werden. In manchen Fällen werden auch beide Methoden miteinander kombiniert.

Die Hirnblutung schadet dem Gehirn auch durch den Druck, den das austretende Blut auf das Gehirngewebe ausübt. Die Akuttherapie des hämorrhagischen Schlaganfalls besteht daher in erster Linie darin, den Druck auf das Gehirn durch die Blutung zu verringern und Nachblutungen zu vermeiden, indem ein erhöhter Blutdruck gesenkt wird. In manchen Fällen muss der Hirndruck operativ behandelt oder die Blutung, in seltenen Fällen, operativ entfernt werden.

Rehabilitation und Nachsorge nach einem Schlaganfall

Patient*innen, die einen Schlaganfall erlitten haben, weisen häufig sehr vielschichtige Beeinträchtigungen auf. Eine Rehabilitation nach einem Schlaganfall hat das Ziel die verloren gegangenen oder gestörten Funktionen durch gezieltes Training so weit wie möglich wiederherzustellen. Je früher das strukturierte Training beginnt, desto besser sind die Behandlungserfolge.

Phasen der Rehabilitation nach einem Schlaganfall

Bei der Rehabilitation von Schlaganfallpatient*innen unterscheidet man in Deutschland verschiedene Phasen. Die Phasen der Schlaganfallrehabilitation greifen zum Teil ineinander oder werden im Einzelfall nur teilweise durchlaufen.

  • Phase A: Akutbehandlung des Schlaganfalls mit ersten rehabilitativen Ansätzen im Krankenhaus (Stroke Unit oder Intensivstation)
  • Phase B: entspricht der klassischen neurologischen Frührehabilitation. Die Akutbehandlung ist prinzipiell abgeschlossen. Trotzdem beinhaltet diese Phase neben den rehabilitativen Aspekten häufig akutmedizinische Behandlungsbedürftigkeit.
  • Phase C: Weiterführende Behandlung und Rehabilitation für Schlaganfall-Patient*innen, die noch viel Pflege und Unterstützung benötigen aber bereits aktiv mitarbeiten. Der Schwerpunkt der Rehabilitation liegt in dieser Phase beim Wiedererlangen der Selbständigkeit, ggf. mit Hilfsmitteln (Stabilisierungsphase).
  • Phase D: Anschlussrehabilitation nach Abschluss der Frühmobilisation um eine Alltagskompetenz und weitgehend selbständigen Lebensführung zu erreichen.
  • Phase E: Die medizinisch-berufliche Rehabilitation soll die Therapieerfolge sichern und hat eine vollständige Teilhabe im und Wiedereingliederung in das Arbeitsleben nach dem Schlaganfall zum Ziel.
  • Phase F: In der Betreuungs- und Erhaltungsphase werden Patient*innen betreut, die eine dauerhafte Unterstützung benötigen (Langzeitpflege).

Frührehabilitation nach einem Schlaganfall: Phase B

Die Frührehabilitation spielt nach einem Schlaganfall häufig eine entscheidende Rolle für den weiteren Erfolg der Rehabilitation und wird daher von spezialisierten Kliniken übernommen. Dr. med. Petra Mummel, Chefärztin für Neurologie an der MEDICLIN Hedon Klinik in Lingen erklärt: „Unsere Abteilung für Neurologie und neurologische Frührehabilitation kann Patient*innen bereits übernehmen, wenn sie noch intensivmedizinischer Überwachung bedürfen. Direkt im Anschluss an diese sogenannte Frührehabilitation können Patient*innen hier im Haus die Rehabilitationsphasen C und D  nach einem Schlaganfall durchlaufen.“

Behandlungen bei der Frührehabilitation nach einem Apoplex (Schlaganfall)

Die Frührehabilitation (Phase B) umfasst intensive Therapien, die den Folgen des Schlaganfalls wie Bewegungs-, Sprach- oder Schluckstörungen entgegenwirken sollen. Je nach Bedarf des Patienten oder der Patientin werden folgende Behandlungen durchgeführt:

  • basale Stimulation: Dabei werden Körper- und Sinneswahrnehmung gefördert.
  • Kinästhetik: Bewegungen werden schonend unterstützt.
  • Physiotherapie (Krankengymnastik)
  • Schluckdiagnostik und -therapie
  • Management der Trachealkanüle (Versorgung nach Luftröhrenschnitt)
  • kognitives Training für Gedächtnis und Konzentration
  • Anleitung und Beratung von Patient*innen und Angehörigen
  • Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF; spezielle Therapie zur Anregung von Wahrnehmungs- und Bewegungsfunktionen)
  • Bobath-Konzept (physiotherapeutisches Konzept zur Behandlung von Patient*innen mit zentralen Lähmungen)
  • Therapie nach dem Affolter-Konzept, um Wahrnehmungsstörungen zu behandeln
  • Übungen nach Perfetti: Dabei werden beeinträchtigte Gehirnregionen gefördert.
  • Forced-Use-Therapie bzw. Taub'sches Training (bewusster Gebrauch der betroffenen Gliedmaßen)
  • Spiegeltherapie (spezielle Ergotherapie zur Bewegungsanbahnung bei schwerer Lähmung)
  • alltagsorientiertes Training
  • neuropsychologische Therapie (inkl. verhaltenstherapeutischer Elemente)
  • Training von Gesichtsfeld und Augenbewegungen (Okulomotorik)
  • Heil- und Hilfsmittelberatung

Rehabilitation nach einem Schlaganfall: Phasen C und D

Oft müssen Patient*innen nach einem Schlaganfall ganz Selbstverständliches wie Sprechen, Gehen oder kognitives Erfassen neu erlernen und trainieren. Auch Alltagsaktivitäten müssen häufig neu erlernt und geübt werden, um nach dem Schlaganfall weitgehend selbständig leben und/oder sogar einen Beruf ausüben zu können.

In den Phasen C und D der Rehabilitation geht es darum, dass die Patient*innen nach dem Schlaganfall wieder die Fähigkeiten zurückerlangen, die durch die Erkrankung verlorengegangen sind. Wenn das nach einem Schlaganfall nicht oder nur teilweise möglich, helfen die Therapeut*innen den Betroffenen dabei, Strategien zu entwickeln, mit denen der Alltag trotz bleibender Einschränkungen gemeistert werden kann.

Für eine bestmögliche Therapie nach dem Apoplex arbeiten in jedem Einzelfall Spezialist*innen aus verschiedenen Bereichen zusammen, z.B.:

  • Neurolog*innen und andere Fachärzt*innen
  • Ergotherapeut*innen
  • Physiotherapeut*innen
  • Sprachtherapeut*innen
  • Neuropsycholog*innen
  • speziell geschulte Pflegekräfte

Für jeden Patienten und jede Patientin wird ein individueller Therapieplan erstellt, der je nach individuellem Bedarf aus den folgenden Behandlungen bestehen kann:

  • Training von Aktivitäten des täglichen Lebens, z.B. Haushaltstraining
  • Selbsthilfetraining
  • Wahrnehmungstraining
  • Training der Feinmotorik
  • Hirnleistungstraining
  • computergestützte Sprachtherapie
  • physiotherapeutische Übungen und Krankengymnastik
  • Anwendungen wie Bäder und Massagen
  • Bewegungstherapie
  • Ergotherapie
  • Psychotherapie
  • Angehörigenberatung
  • Kurse zur Vorbeugung von weiteren Schlaganfällen

Nachsorge nach der Schlaganfall-Rehabilitation

Nur ein Teil der Patient*innen übersteht einen Schlaganfall ohne danach unter Beeinträchtigungen zu leiden. Viele benötigen Unterstützung im Alltag oder Beruf, einige sind auch pflegebedürftig. Um die Therapieerfolge nach der stationären Rehabilitation zu erhalten, sollten Behandlungen und Trainings je nach Art und Schwere der Beeinträchtigungen auch nach Abschluss der Reha weitergehen. Wer sich nach der stationären Reha nicht weiter bemüht, kann mühsam errungene Fähigkeiten wieder verlieren. Die Erfahrung zeigt auch, dass mit entsprechend konsequent durchgeführten Trainings auch noch Jahre nach dem Schlaganfall Verbesserungen erzielt werden können.

Auch die psychische Nachsorge ist für Patient*innen sehr wichtig, um den Schlaganfall und seine Folgen zu verarbeiten. Viele Patient*innen haben nach dem Schlaganfall mit Depressionen und Angststörungen zu kämpfen und sollten daher auch nach der Rehabilitation professionelle psychologische Unterstützung suchen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann hier hilfreich sein.

Einem Schlaganfall vorbeugen

Von lebenswichtiger Bedeutung ist die Vorbeugung eines erneuten Schlaganfalls während der Nachsorge.

„Das eigene Schlaganfallrisiko kann man durch Vorsorge, durch Bewegung etwa und einen gesünderen Lebensstil, um bis zu siebzig Prozent reduzieren“, betont Dr. med. Petra Mummel, Chefärztin für Neurologie an der MEDICLIN Hedon Klinik: „Man hat es in der eigenen Hand. Denn wichtige Schlaganfall-Risikofaktoren basieren unmittelbar auf dem Lebensstil.“ Also: Bewegungsmangel, Übergewicht, hohe Cholesterinwerte oder Rauchen. Weitere Risikofaktoren liegen in Vorerkrankungen: „Hier kommt es auf rechtzeitige Früherkennung und eine angemessene Behandlung an, also zum Beispiel bei Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes oder vererbten Blutgerinnungsstörungen.“

Prävention spielt eine besonders wichtige Rolle. Das eigene Schlaganfallrisiko kann man durch vorausschauendes Handeln, um bis zu 70 Prozent reduzieren. Der Lebensstil beeinflusst das Risiko enorm.

- Dr. med. Petra Mummel, Chefärztin für Neurologie an der MEDICLIN Hedon Klinik

Augenmerk auf Vorsorge

Das Schlaganfall-Risiko steigt mit zunehmendem Lebensalter deutlich an und ist in der Altersgruppe der über 75-jährigen besonders hoch. Auch Patient*innen, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben, weisen ein erhöhtes Risiko auf: „Da fast jeder fünfte Schlaganfallpatient binnen fünf Jahren mit einem Folgeschlaganfall rechnen muss, ist jede wirksame Maßnahme zur Risikoreduktion wünschenswert", erklärt Mummel.

5 Tipps, um das Schlaganfallrisiko zu senken

  • Blutdruckcheck: Ein hoher Blutdruck (über 140/90 mmHg) gilt als Hauptauslöser für einen Schlaganfall und sollte unbedingt behandelt werden.
  • Ist das Herz gesund? Wenn das Herz unregelmäßig schlägt, ist die Gefahr der Blutklümpchenbildung erhöht, die dann mit dem Blutstrom ins Gehirn gespült werden und dort ein gehirnversorgendes Blutgefäß verstopfen können.
  • Mit dem Rauchen aufhören. Rauchen schädigt die Blutgefäße und erhöht das Schlaganfallrisiko: bei Frauen um das Dreifache und bei Männern um das 1,7-Fache.
  • Bluthochdruck, ein hoher Cholesterinwert oder Diabetes sind häufige Risikofaktoren für die Entstehung eines Schlaganfalls. Deren richtige Behandlung ist somit eine gute Schlaganfall-Prävention.
  • Regelmäßig bewegen. Und abnehmen. Sport und die Reduktion von Übergewicht verringern das Risiko von Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Krebs, Diabetes- Typ II und Osteoporose.

Schlaganfall: Fragen an eine Expertin

Interview mit Dr. med. Petra Mummel, Chefärztin für Neurologie an der MEDICLIN Hedon Klinik:

Was sind die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen bei Menschen, die noch keinen Schlaganfall erlitten haben?

Es gibt Risikofaktoren, auf die man keinen Einfluss hat, wie Alter, Geschlecht und genetische Veranlagung. Umso wichtiger ist es, sein Augenmerk auf die Faktoren zu lenken, die man beeinflussen bzw. behandeln kann. Hierzu zählen Bewegungsmangel, Übergewicht, hoher Alkoholkonsum und Rauchen. Eine konsequente Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes, hohen Cholesterinwerten und Herzrhythmusstörungen ist elementar wichtig. Insgesamt kann man durch sein eigenes Zutun das Schlaganfallrisiko um bis zu 70% verringern.

Gibt es spezielle Früherkennungsuntersuchungen, die Auskunft über das individuelle Schlaganfallrisiko geben?

Ja, es gibt spezielle Früherkennungen von Schlaganfallrisiken, sog. Vorsorge-Checkups, die insbesondere von Risikogruppen in Anspruch genommen werden sollten. Diese Vorsorgeleistung wird von den meisten gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Hierzu sollte ein Gespräch bzw. eine Beratung mit dem*der Hausärzt*in erfolgen.

Es heißt, dass der regelmäßige Genuss von Rotwein oder dunkler Schokolade Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugen kann, stimmt das?

Es gab in den letzten Jahren viele widersprüchliche Aussagen über die Auswirkungen von Alkohol auf die Blutgefäße. 2019 konnten Forscher der Universität Oxford nachweisen, dass ein moderater Alkoholgenuss von 1 bis 2 Getränken pro Tag das Schlaganfallrisiko entgegen früherer Annahmen nicht senkt. Unstrittig ist, dass übermäßiger Alkoholkonsum das Risiko für einen Schlaganfall erhöht.
Dunkle Schokolade enthält besonders viel Kakao und in diesem stecken reichlich Pflanzenstoffe (Flavonoide), die das Herz-Kreislauf-System möglicherweise schützen. Einen ausreichenden Beweis für den gesundheitlichen Nutzen gibt es aber bislang nicht und selbst wenn sich ein positiver Effekt beweisen lassen sollte, löst Schokolade bei übermäßigem Konsum einen anderen Risikofaktor aus, nämlich das Übergewicht.

Worauf sollten Patient*innen nach einem Schlaganfall besonders achten, um einem erneuten Apoplex vorzubeugen?

Fast jeder zweite Patient stirbt innerhalb von fünf Jahren nach dem ersten Schlaganfall und jeder fünfte erleidet einen erneuten Schlaganfall innerhalb von fünf Jahren.
Die oben bereits genannten Maßnahmen, um das Risiko eines Schlaganfalls zu senken, gelten ebenso bei der Verhinderung eines zweiten Schlaganfalls. Auch hier gilt, selbst aktiv zu werden und seinen Lebensstil zu ändern, also das Rauchen aufzugeben, sich ausreichend zu bewegen und auf eine gesunde Ernährung zu achten.
Ganz entscheidend ist darüber hinaus die sogenannt Therapietreue, also die konsequente Einnahme der empfohlenen Medikamente zum Schutz vor einem erneuten Schlaganfall. Sieben von zehn Patient*innen nehmen ihre Medikamente nicht so ein, wie vom Arzt verordnet und gehen damit ein hohes Risiko ein.

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