Cochlea-Implantat: Endlich wieder hören

Das Cochlea Implantat ist eine Innenohrprothese, mit der Hörbehinderte ein neues Hören lernen können. Das Hörimplantat ist unter bestimmten Voraussetzungen für hochgradig Schwerhörige und Gehörlose mit intaktem Hörnerv geeignet.

Was ist ein Cochlea-Implantat?

Ein Cochlea-Implantat, auch Hörimplantat genannt, ist eine elektrisch betriebene Innenohrprothese, mit der bestimmte Schwerhörige oder Gehörlose wieder Hören lernen können. Das Cochlea-Implantat übernimmt die Funktion eines Teils des Innenohrs, das Hörschnecke oder Cochlea genannt wird.   

In der Hörschnecke werden Schallwellen aus der Umwelt in elektrische Impulse umgewandelt. Diese Impulse rufen im Hörzentrum des Gehirns den Höreindruck hervor. Wenn die Funktion der natürlichen Cochlea gestört ist, entsteht eine Innenohrschwerhörigkeit oder Taubheit. Normale Hörgeräte können eine hochgradige Innenohrstörung nicht immer ausgleichen. Das kann nur das Cochlea- oder Hörimplantat leisten.  

Aufbau des Ohres

Aufbau des Ohres

Das Ohr besteht aus drei Teilen: dem äußeren Ohr, dem Mittelohr und dem Innenohr.

  • Das äußere Ohr reicht von der Ohrmuschel bis zum Trommelfell. Die Trichterform des äußeren Ohres fängt die Schallwellen aus der Umgebung auf und leitet sie weiter.  

  • Das Mittelohr umfasst die Gehörknöchelchen, die den Schall verstärken.  

  • Das Innenohr besteht aus dem Gleichgewichtsorgan und der Cochlea. Die Cochlea sieht einem Schneckenhaus sehr ähnlich und tatsächlich bedeutet Cochlea nichts anderes als Schnecke. Die Cochlea ist der Ort, an dem die sogenannten Haarzellen die Schallwellen in elektrische Impulse umwandeln. Von der Cochlea werden die elektrischen Impulse über den Hörnerv an das Gehirn weitergeleitet, wo die Hörwahrnehmung entsteht.  

Wie funktioniert ein Cochlea-Implantat?

Als aktive Innenohrprothese übernimmt das Cochlea-Implantat die Funktion der Hörschnecke des Innenohres. Während ein normales Hörgerät nur den Schall verstärkt, um so die Sprache für den Schwerhörigen verständlich zu machen, wandelt das Cochlea-Implantat den Schall in elektrische Impulse um. Diese Impulse leitet das Hörimplantat dem Hörnerv in einem bestimmten Muster zu, das z.B. einem gesprochenen Wort entspricht. Töne und Sprache können durch das Cochlea-Implantat wieder gehört werden. Eine Kombination aus Cochlea-Implantat und Hörgerät ist das EAS-System (Elektrisch-Akustische Stimulation).  

Wie ist das Cochlea-Implantat aufgebaut?

Das Cochlea-Implantat ist das zentrale Element des Cochlea-Systems, das mehrere Elemente umfasst. 

Das Cochlea-Implantat besteht aus

  • einem Mikrofon
  • einem digitalen Sprach- oder Audioprozessort,
  • einer Sendespule mit Magnet
  • und dem eigentlichen Cochlea-Implantat, das aus einem weiteren Magneten, einer Empfangsspule, dem Stimulator und dem Elektrodenträger mit den Stimulationselektroden zusammengesetzt ist.  

Die Elektroden werden in die Hörschnecke (anatomische Cochlea) eingeführt. Die Empfangsspule des Cochlea-Implantats wird hinter dem Ohr unter der Haut platziert. Die Sendespule des Sprach- oder Audioprozessors haftet mit Hilfe der Magneten auf der Kopfhaut über der Empfangsspule des Implantats.  

Wie arbeitet das Cochlea-Implantat?

  1. Ähnlich einem normalen Hörgerät nimmt das Mikrofon des Cochlea-Implantats hinter dem Ohr die Schallwellen aus der Umwelt auf und leitet sie an den Sprach- oder Audioprozessor weiter.
  2. Der Prozessor wandelt die Schallwellen in elektrische Impulse um und überträgt sie auf die Sendespule.
  3. Von der Sendespule werden die Signale an die Empfangsspule des Cochlea-Implantats gesendet.
  4. Das Cochlea-Implantat leitet die Signale dann an die Elektroden in der Hörschnecke weiter.
  5. Die Elektroden stimulieren mit einem bestimmten Reizmuster den Hörnerv, der dieses Reizmuster an das Hörzentrum im Gehirn leitet, wo es dann beispielsweise als Wort gehört wird.

Müssen Cochlea-Implantate im Laufe des Lebens ausgetauscht werden?

In der Regel ist das nicht nötig. Das eigentliche Cochlea-Implantat unter der Haut ist so konstruiert, dass es ein ganzes Leben lang halten soll. Ein Austausch von Cochlea-Implantaten ist selbst dann nicht erforderlich, wenn es bereits im Kindesalter eingesetzt wurde, denn die anatomischen Strukturen des Ohres verändern sich während der Wachstumsphase kaum.

Moderne Cochlea-Implantate sind darüber hinaus so angelegt, dass sie mit dem technologischen Fortschritt mithalten können. Um das Cochlea-System auf den technologisch aktuellen Stand zu bringen, reicht es aus, einen neuen Sprachprozessor mit dem Cochlea-Implantat zu verbinden. Das geht ganz ohne Operation.

Das Cochlea-System muss regelmäßig überprüft und eingestellt werden.

Wer ein Cochlea-Implantat trägt, sollte es lebenslang überprüfen und warten lassen, damit Störungen und Defekte früh erkannt und repariert werden können. So wird die gute Funktion des Hörimplantats und eine optimale Qualität des Höreindrucks gewährleistet. Die lebenslange Nachsorge wird bei einem Cochlea-Implantat durch eine spezialisierte Klinik mit einem erfahrenen audiologischen und ärztlichen Team durchgeführt.

In diesem Rahmen werden auch die Hör-, Sprech- und Sprachleistungen des Patienten oder der Patientin untersucht und dokumentiert. Darüber hinaus wird das Cochlea-Implantat bzw. das gesamte Cochlea-System technisch geprüft. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden dokumentiert, um beim nächsten Termin Veränderungen sofort zu erkennen. Zur Nachsorge gehört auch die Beratung der Patient*innen. Ziel der regelmäßigen Nachsorge ist es, die individuelle Kommunikationsfähigkeit der Patient*innen zu stabilisieren oder wenn möglich noch zu verbessern.

In den MEDICLIN Bosenberg Kliniken bieten wir diese spezielle Nachsorge für Cochlea-Implantat-Träger*innen an.

Pflege des Cochlea-Implantats

In den Handbüchern der verschiedenen Cochlea-Implantat Fabrikate sind ausführliche Pflege- und Wartungsempfehlungen für das entsprechende Gerät zu finden. Diese sollten Sie sorgfältig lesen und umsetzen, damit das Hörimplantat gut und lange funktioniert.

Grundsätzlich sollten Sie den Sprach- oder Audioprozessor und das Zubehör zum Cochlea-Implantat gut vor Feuchtigkeit und hohen Temperaturen schützen. Reinigen Sie die empfindlichen Geräte stets sehr vorsichtig und streng nach Herstellerempfehlungen. Von Staub und Schweiß werden das Äußere des Sprachprozessors und des Zubehörs mithilfe spezieller, weicher und leicht befeuchteter Tücher befreit. Reinigungsmittel oder Reinigungsbürsten sollten Sie nur verwenden, wenn der Hersteller es ausdrücklich empfiehlt. Am besten lassen Sie sich die Pflege und Wartung Ihres Cochlea-Implantats mehrmals zeigen.

Für wen kommt ein Cochlea-Implantat infrage?

Grundsätzlich kommt die Versorgung mit einem Hörimplantat für alle Patient*innen infrage, die aufgrund von Innenohrerkrankungen oder -schäden mit Hörgeräten nicht ausreichend gut hören bzw. Sprache nicht ausreichend gut verstehen können. Unbedingte Voraussetzung für eine erfolgreiche Cochlea-Implantation ist jedoch die Funktionstüchtigkeit des Hörnervs und des Hörzentrums im Gehirn. Wenn diese Voraussetzung nicht gegeben ist, kann das Cochlea-Implantat nicht helfen.

Was versteht man unter Resthörigkeit?

Neben einem totalen Ausfall der Innenohrfunktion, die eine Taubheit auf dem betroffenen Ohr zur Folge hat, kommt das Hörimplantat auch bei resthörigen Patient*innen zum Einsatz, bei denen die Innenohrfunktion jedoch so stark reduziert ist, dass sie trotz eines Hörgeräts Sprache nicht mehr verstehen können. Das ist z. B. Fall, wenn der oder die Betroffene in einem Hörtest mit einsilbigen Worten bei einem Sprachschallpegel von 65 dB mit seinem Hörgerät weniger als 50 Prozent der Worte versteht. Auch Patient*innen, bei denen nur ein Ohr von den Innenohrstörungen betroffen ist, können ein Cochlea-Implantat erhalten, weil man festgestellt hat, wie wichtig das beidseitige Hören für die Kommunikation mit anderen Menschen und die Orientierung im Raum ist.

Können Cochlea-Implantate auch bei Kindern eingesetzt werden?

Ja, heutzutage werden sowohl Kinder als auch Erwachsene mit einem Cochlea-Implantat versorgt, wenn das Hörimplantat die Hör- und Verstehfähigkeit der Patient*innen verbessert. Bei frühertaubten oder gehörlos geborenen Kindern wird eine möglichst frühzeitige Implantation des Cochlea-Implantats möglichst noch in den ersten zwei Lebensjahren empfohlen, denn nur durch frühzeitige Höreindrücke reifen im Gehirn Strukturen, die für das Erlernen von Sprache entscheidend sind. Wenn Kinder oder Erwachsene nach abgeschlossenem Spracherwerb ertaubt sind, kann das Hörimplantat auch noch nach Jahren der Taubheit eingesetzt werden, weil die entscheidenden Strukturen bereits entwickelt sind.

Was kostet ein Cochlea-Implantat?

Ein Cochlea-Implantat kostet inklusive Operation und Rehabilitation rund 40.000 Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für das Cochlea-Implantat, wenn kein anderes Hörgerät dem Patienten oder der Patientin helfen kann. Wer privat krankenversichert ist, sollte sich mit seiner Krankenkasse in Verbindung setzten und abklären, ob diese die Kosten für das Cochlea-Implantat übernimmt.

Operation: Wie wird das Cochlea-Implantat eingesetzt?

Das Cochlea-Implantat wird im Rahmen einer Operation in Narkose hinter der Ohrmuschel unter der Haut eingesetzt. Bevor das passiert, muss das OP-Team im Schädelknochen ein Lager für das Cochlea-Implantat schaffen, damit das Hörimplantat stabil sitzt. Außerdem bohrt das OP-Team einen Kanal durch den Ohrknochen, der auch Felsenbein oder Mastoid genannt wird. Durch diesen Kanal und einen winzigen Schlitz des runden Fensters, dem Eingang zum Innenohr, werden später die Elektroden des Cochlea Implantats in die Hörschnecke eingeführt.

Nach diesen Vorbereitungen wird das Cochlea-Implantat durch einen Hautschnitt in sein vorbereitetes Lager geschoben und seine Elektroden in der Hörschnecke platziert. Noch während der Operation wird das Gerät erstmals getestet und der Hörnerv geprüft. Erst dann wird das Innenohr abgedichtet und die Haut verschlossen. Die mikrochirurgische Operation zur Einsetzung des Cochlea-Implantats dauert zwischen ein und zwei Stunden.

Wie verläuft der stationäre Aufenthalt nach der Operation?

Für die meisten Patient*innen ist die Implantation des Cochlea-Implantats kein belastender Eingriff. Nach der Operation und der Aufwachphase fühlen sich die meisten Patient*innen den Umständen entsprechend gut. Unter Aufsicht können sie am Bettrand sitzen und sogar Aufstehen. Bei gutem Allgemeinbefinden ist ein paar Stunden nach der Implantation des Cochlea-Implantats eine kleine Mahlzeit und sogar Besuch möglich.

Einen Tag nach der Operation wird die Lage der Elektroden des Cochlea-Implantats in der Hörschnecke durch eine Röntgenaufnahme geprüft. Je nach Klinik und dem Gesundheitszustand des Patienten bzw. der Patientin dauert der stationäre Aufenthalt nach der Operation fünf bis sieben Tage. Die Fäden der Hautnaht können in der Regel nach sieben Tagen gezogen werden. Mit der Erstanpassung des Geräts muss noch gewartet werden bis die Wunden vollständig verheilt sind.

Erstanpassung nach der Operation

Ein bis zwei Wochen nach der Operation erfolgt die individuelle Erstanpassung des Sprachprozessors des Hörimplantats. Das ist notwendig, um ein optimales Hörergebnis zu erzielen. Meistens muss diese Einstellung in regelmäßigen Sitzungen optimiert werden, um ein gutes Hör-/ Sprachverstehen zu erreichen. Darüber hinaus muss das Hörimplantat auch ein Leben lang regelmäßig eingestellt und technisch überprüft werden, damit Störungen erkannt werden und regelmäßige Updates wie bei einem Computerprogramm durchgeführt werden können. Die Erstanpassung des Cochlea-Implantats wird häufig einem in dem Krankenhaus durchgeführt, in dem auch die Operation stattgefunden hat.

Rehabilitation und Nachsorge

Nach der ersten Anpassung des Sprachprozessors des Hörimplantats beginnt für den Patienten oder die Patientin die eigentliche Arbeit: Er oder sie muss ein neues Hör- und Sprachverstehen mit dem Cochlea-Implantat lernen. Eine Anstrengung, die mit dem Erlernen einer Fremdsprache vergleichbar ist.

In den MEDICLIN Bosenberg Kliniken haben unsere Expert*innen ein spezielles Rehabilitationsprogramm nach der Implantation eines Cochlea-Implantats entwickelt. Mit diesem Programm lernen die Patient*innen das Potential ihres Hörimplantats voll zu nutzen. Das Hauptziel der rehabilitativen Behandlung an den MEDICLIN Bosenberg Kliniken besteht darin, Menschen mit Cochlea-Implantat Kommunikation mit anderen zu erleichtern und den Betroffenen damit die Teilnahme am sozialen Leben zu ermöglichen.

Konkrete Einzelziele der Rehabilitation bei Cochlea-Implantat

  • Verbesserung der individuellen auditiven (auf dem Hören beruhenden) Kommunikationsfähigkeit
  • Verbesserung der Unterscheidung verschiedener Sprachlaute mit dem Cochlea Implantat (Diskrimination) und damit des Verstehens gesprochener Worte (Sprachverständlichkeit)
  • Das aktive Einbeziehen des Cochlea-Implantats (Integration) in den Lebens- und Berufsalltag
  • besserer Umgang mit der Zusatztechnik für das Hörimplantat
  • Ausstattung mit Hilfsmitteln für den Arbeitsplatz und zu Hause, um die Kommunikationsfähigkeit zu unterstützen und die Höranstrengung mit dem Cochlea-Implantat zu reduzieren
  • Bewältigungsstrategien (Coping) bei einer Ertaubung
  • Verbesserung der beruflichen Leistungsfähigkeit nach der Versorgung mit einem Hörimplantat
  • Vermeidung oder Verkürzung von Zeiten der Arbeitsunfähigkeit (AU-Zeiten)
  • Vermeidung der Erwerbsunfähigkeit oder von Umschulungen
  • Erhalt vorhandener Berufskompetenzen durch eine systematische Analyse der Arbeitssituation
  • Stärkung der psychischen Stabilität von Patient*innen mit Cochlea-Implantat
  • Klärung der beruflichen Situation mit Hörimplantat in der Medizinisch Beruflich Orientierten Rehabilitation (MBOR) für bestimmte Berufsklassen
  • Optimale individuelle Anpassung der Technik des Cochlea-Implantats. Unter Umständen kann bereits die Erstanpassung des Hörimplantats in der Reha-Klinik erfolgen.

So läuft die Reha ab

Alle Patient*innen mit frisch eingesetztem Cochlea-Implantat werden in der Rehabilitationsklinik durch HNO-Ärzt*innen umfassend betreut.

Die Rehabilitation nach dem Einsetzen eines Cochlea-Implantats besteht im Wesentlichen aus einem intensiven Hörtraining, das von der fortlaufenden Anpassung des Sprachprozessors begleitet wird. Dabei greifen Therapie und technische Maßnahmen während der Rehabilitation direkt ineinander.

Ein Beispiel: Stellen die Therapeut*innen des Hörtrainings fest, dass ein Patient oder eine Patientin „B“ und „P“ nicht voneinander unterscheiden kann, verweisen sie ihn oder sie in die technische Abteilung in der Klinik. Dort wird die Einstellung des Cochlea-Implantats entsprechend justiert. Anschließend kann das Hörtraining mit dem optimierten Cochlea-Implantat unmittelbar fortgesetzt werden.

Für die Zeit nach dem Klinikaufenthalt werden im Zuge der Hörimplantat-Rehabilitation alltagsorientierte Übungen, wie z.B. Telefontraining oder das Einüben von Real-Situationen im „Kommunikations-Café“ trainiert. Wer Fremdsprachenkenntnisse hat, kann diese während der Cochlea-Implantat-Rehabilitation reaktivieren.

Zusätzliche Erkrankungen des Gehörs, wie z. B. Tinnitus werden bei der Therapie und der technischen Anpassung des Cochlea-Implantats berücksichtigt. Bei Patient*innen mit Mehrfacherkrankungen arbeiten Hals-Nasen-Ohren-Ärzt*innen mit Fachärzt*innen für Neurologie oder anderen Fachrichtungen eng zusammen.

Alle Patient*innen werden ausführlich darüber beraten, was sie von ihrem Hörimplantat erwarten können und wo die Grenzen der Therapie und des Cochlea-Implantats liegen.

Was wird beim Hörtraining trainiert?

Hören und Verstehen sind komplexe Fähigkeiten, bei denen viele einzelne Funktionen zusammenspielen. Nachdem das Hörimplantat eingesetzt wurde, nehmen die Patient*innen zwar wieder Klänge und Geräusche wahr. Sie können aber zunächst nicht unterscheiden, ob es sich beispielsweise um einen Wecker, eine Klingel oder ein Flugzeug handelt. Mit einem neu eingesetzten Cochlea-Implantat müssen die Patient*innen erst wieder lernen, welche Bedeutung Töne, Klänge und Geräusche haben.

Zu einem intensiven Einzelhörtraining durch ausgebildete Logopäd*innen und Audiotherapeut*innen gehören:

  • Geräuschebene: Einordnung von Geräuschen
  • Unterscheidung von Tonhöhen
  • mehrsilbige Wörter
  • einsilbige Wörter (Minimalpaare)
  • Verstehen von Sätzen in Ruhe
    • mit / ohne Themenvorgabe und
    • mit / ohne Mundbild
  • Verstehen im Störschall
  • Richtungshören
  • telefonieren mit Cochlea-Implantat (privat, beruflich)
  • Hörtraining mit berufsspezifischem Vokabular
  • Dichotisches Hören: Training zur Konzentration auf einen Sprecher und Ausblendung eines anderen Sprechers

Das Hören in Gruppen ist manchmal selbst für Menschen mit gesundem Gehör schwierig, daher wird es in speziellen Gruppenhörtrainings geübt. Hierzu gehören auch Hörtrainings in Videokonferenzen und Musiktrainings. Die tägliche Optimierung des Sprachprozessors im Cochlea-Implantat trägt zum bestmöglichen Trainingserfolg bei.

    Technische Schulung zur Nutzung des Cochlea Implantats

    Um alle Funktionen und Vorteile des Cochlea-Implantats optimal zu nutzen, ist es unerlässlich sich mit der Technik des Hörimplantats und seiner vielfältigen Zusatzgeräte auszukennen. Das ist nicht nur im Privatleben, sondern vor allem auch im Beruf von großer Bedeutung. Daher werden Patient*innen mit Hörimplantat sorgfältig in der Bedienung ihrer Geräte geschult.

    Zur Schulung gehören:

    • Erläuterung der Handhabung des Sprachprozessors und der dazugehörigen Zusatztechnik
    • Beratung von Zusatztechnik für zu Hause (Funksignalanlage, Licht-Vibrationswecker, spezielle Telefone, TV-Streamer etc.)
    • Beratung über Hilfsmittel für den Arbeitsplatz (Roger Pen, Roger On, spezielle Telefone etc.)
    • Handhabung und Benutzung der Zusatzmikrofone wie Roger Pen (Einsatz Besprechung, Videokonferenz)
    • Audiotherapeutische Einzelstunden: Audiocoping / Audiotherapeutisches Gespräch
    • Zusätzliche Trainingsmaßnahmen: Verbesserung der Sprach- und Musikwahrnehmung über Hörbücher, TV, Musik, Hörtraining-Apps, Podcasts
    • Kommunikationscafé: Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten und Interessent*innen zum Thema Cochlea-Implantat

    Ganzheitliche Rehabilitation

    Um gute Therapieerfolge zu erzielen, muss immer der ganze Mensch betrachtet werden. Daher bieten die MEDICLIN Bosenberg Kliniken auch Therapien an, die über die spezifische Rehabilitation bei Cochlea-Implantaten hinausgehen. Hierzu gehören beispielsweise:

    • Tinnitus-Bewältigungstraining
    • Gleichgewichtstraining
    • Entspannungsmethoden und
    • psychologische Betreuung
    • Bewegungs-/ Sporttherapie
    • Wassergymnastik
    • Physiotherapie
    • physikalische Therapie
    • Logopädie
    • Musik- und Tanztherapie
    • Ernährungsberatung
    • Ergotherapie
    • Sozialberatung
    • Patient*innen-Seminar
    • Vorträge und Schulungen von Ärzt*innen

    Wiedereintritt ins Arbeitsleben mit dem Cochlea-Implantat

    Nach dem Einsetzen eines Cochlea-Implantats stehen berufstätige Patient*innen beim Wiedereintritt in ihr Arbeitsleben häufig vor besonderen Herausforderungen, der in mancher Beziehung fast einem Neuanfang gleichkommt. In der Medizinisch Beruflich Orientierten Rehabilitation (MBOR) trainieren die frisch gebackenen Träger*innen eines Hörimplantats den Umgang mit diesen speziellen beruflichen Hör-Herausforderungen. Die MEDICLIN Bosenberg Kliniken, stellen hierzu einen Simulationsraum (Klangraum) zur Verfügung, in dem viele Arbeitsplätze (Büro, Kindergarten, Werkstatt etc.) optisch und akustisch zum realitätsnahen Training simuliert werden. Im Simulationsraum wird zum einen die Kommunikationskompetenz der Betroffenen erfasst. Gleichzeitig wird die Simulation auch in Trainingseinheiten in der Phase der Anpassung des Cochlea Implantats und der folgenden Reha-Phase genutzt.

    Leben mit einem Cochlea-Implantat

    Bei Erkrankungen und Schäden des Innenohrs sind Cochlea-Implantate die einzige Möglichkeit für die Betroffenen wieder Laute, Geräusche, Musik und vor allem Sprache wahrzunehmen. Aber die Entscheidung für ein Hörimplantat ist auch eine Entscheidung für das ganze Leben: Patient*innen, die ein oder zwei Hörimplantate haben, werden diese in der Regel ihr Leben lang tragen. Ein Cochlea-Implantat hat viele Vorteile, aber es kann auch mit Einschränkungen verbunden sein.

    Welche Vorteile haben Cochlea Implantate?

    • Hörimplantate steigern den wahrnehmbaren Ton- und Lautstärkenumfang, sodass der Träger oder die Trägerin leichter mit ihren Mitmenschen kommunizieren kann.
    • Die erleichterte Kommunikation erlaubt den Betroffenen mehr Teilhabe am sozialen Leben.
    • Gerade im Arbeitsleben ist die erleichterte Kommunikation häufig von großer Bedeutung. Die Ausübung bestimmter Berufe kann erst durch das Cochlea-Implantat ermöglicht werden.
    • Bei Kindern kann eine möglichst frühzeitige Versorgung mit Cochlea-Implantaten die Sprachentwicklung fördern.
    • Musik kann, wenn auch mit Einschränkungen, wieder gehört werden. 
    • Die Wahrnehmung von Tönen oder Geräuschen aus der Umwelt, wie Signaltöne des Telefons, erleichtern den Alltag und kann auch vor Gefahren warnen, z.B. Warntöne im Straßenverkehr.
    • Die meisten Patient*innen berichten, dass sich Ihre Lebensqualität durch das Implantat sehr verbessert hat.

    Gut zu wissen:

    • Der Sprach- oder Audioprozessor und die Sendespule des Cochlea-Implantats müssen beim Schlafen und bei einigen Sportarten wie Schwimmen oder Kampfsport abgelegt werden.
    • Um TV- und Audiogeräte möglichst realistisch wahrzunehmen, können Zusatzgeräte zum Hörimplantat, z. B. besondere Mikrofone erforderlich sein.
    • Cochlea-Implantate sind komplexe Geräte, daher kann es hin und wieder zu technischen Problemen kommen.
    • Pflege und Wartung des Cochlea-Implantats können sowohl daheim als auch in der betreuenden Klinik viel Zeit in Anspruch nehmen.
    • Trotz intensiven Trainings kommt es nur selten zu einer vollständigen Wiederherstellung des Sprachverständnisses, da die sprachlichen Informationen für das Gehirn lückenhaft bleiben.

    Welche Erfolgsaussichten bestehen bei einem Cochlea-Implantat?

    In den meisten Fällen werden gute Erfolge mit dem Hörimplantat erzielt: In Kombination mit Lippenlesen können fast alle nahezu gehörlosen Patient*innen mit dem Cochlea-Implantat eine sprechende Person verstehen. Etwa die Hälfte der Träger*innen eines Cochlea-Implantats kann auch wieder telefonieren ­ also Personen verstehen, ohne deren Lippenbewegungen zu sehen. Ein Höreindruck, der vergleichbar mit dem eines Menschen mit gesundem Gehör ist, kann jedoch auch mit einem Cochlea-Implantat nicht mehr hergestellt werden.

    Wie gut ein Cochlea-Implantat Patient*innen hilft, im Alltag zu hören und zu verstehen, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Hierzu zählen Beginn und Dauer der Taubheit oder Schwerhörigkeit ebenso wie Motivation und die Lernfähigkeit der Betroffenen. Schließlich spielt auch das soziale Umfeld ­ Familie, Kindergarten, Schule, Arbeitsbereich ­ eine wichtige Rolle. Entscheidend ist aber auch die Bereitschaft der Träger*innen vor allem nach dem Eingriff aber am besten auch lebenslang ihr Hörvermögen und den Umgang mit ihrem Cochlea-Implantat trainieren.

    Unser Gehör ist wertvoll und sollte geschützt werden

    Unser Gehör erbringt täglich Höchstleistungen. Warum Hörpausen manchmal sinnvoll sind, wie man eine Schwerhörigkeit erkennt und welche Folgen ein Hörschaden haben kann, erfahren Sie in unserer Mini-Story.

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