28.01.2020

Interview: Wenn das Kunstgelenk ausgetauscht werden muss

Mit der steigenden Lebenserwartung der Deutschen nehmen nicht nur Erstimplantationen, sondern auch die Häufigkeit der Revisionen, also Wechseloperationen, zu. Das MEDICLIN Waldkrankenhaus Bad Düben ist endoprothetisches Zentrum mit Schwerpunkt in der Therapie von Gelenkerkrankungen. In der Klinik werden Prothesen sowohl implantiert als auch ausgetauscht. Dr. Jaqueline Repmann, Ärztliche Direktorin und Chefärztin der Fachklinik für Orthopädie am MEDICLIN Waldkrankenhaus Bad Düben, im Interview:

Frau Dr. Repmann, warum müssen künstliche Gelenke ausgetauscht werden?

J. Repmann: Häufig macht eine Lockerung des Gelenks es erforderlich, dass ein Teil des Gelenks oder das gesamte Implantat ausgetauscht werden muss. Es kommt zu einer Lockerung, wenn sich die Verbindung zwischen künstlichem Gelenkteil und Knochen löst. Baut sich zum Beispiel der Knochen ab, in dem das Gelenk verankert ist, lockert sich auch das Implantat. Aber auch Infektionen und Unfälle, zum Beispiel Brüche, können eine Wechseloperation notwendig machen.

Was kann ein Hinweis darauf sein, dass ein künstliches Gelenk ausgetauscht werden muss?

J. Repmann: Wiederauftretende Beschwerden nach einem schmerzfreien Intervall können darauf hinweisen, dass sich das eingesetzte Gelenk gelockert hat. Das können zunehmende Schmerzen sein, ein Gefühl der Instabilität oder ein vorher gut bewegliches Gelenk lässt sich zunehmend schlechter bewegen. Darüber hinaus kann es aber auch sein, dass der Patient es gar nicht merkt, dass das künstliche Gelenk sich gelockert hat. Daher sind regelmäßige Kontrollen wichtig.

Wie funktioniert der Wechsel?

J. Repmann: Häufig genügt es, nur die gelockerten oder verschlissenen Teile des Gelenks auszutauschen. Die meisten neuen Implantate bestehen aus mehreren Elementen. Je nach Bedarf muss also nur ein Teil gewechselt werden. Diese modularen Systeme lassen sich bei der  Wechseloperation in einer Art Baukastensystem individuell an den Knochen des Patienten anpassen. Beim Kniegelenkersatz wird je nach Qualität des Knochenmaterials das neue Implantat mit Knochenzement, einem schnell aushärtenden Kunststoff, am Knochen verankert. Bei der Revision von Hüftgelenken arbeiten wir zementfrei. Hier wird das Implantat in die Knochen eingepresst und gegebenenfalls mit Schrauben am Knochen verankert. 

Was ist bei einer Revision anders als bei einer Erstoperation?

J. Repmann: Revisionen sind im Vergleich aufwändiger und anspruchsvoller, da mit jeder Operation auch gesunde Knochensubstanz verloren geht. Als Operateur braucht es für Revisionen viel Erfahrung. Auch die gesamte Heilung dauert meistens länger. Je nach Qualität des Knochens darf das operierte Körperteil voll oder zunächst nur teilbelastet werden. Da jedoch meist nur ein Teil des künstlichen Gelenks ausgetauscht wird, ist auch eine sofortige Vollbelastung möglich. Dazu kommt: Je länger Patienten mit einer Wechseloperation warten, desto mehr Knochensubstanz geht verloren, die OP gestaltet sich aufwändiger und der Heilungsprozess dauert länger.

Wie lange hält denn ein künstliches Gelenk?

J. Repmann: Man kann sagen, dass nach zehn Jahren höchstens fünf bis zehn Prozent der künstlichen Gelenke gelockert sein dürfen. Die individuelle Abnutzung und Lockerung hängt von verschiedenen Faktoren ab: Von Alter, Gewicht, individueller Beanspruchung, aber auch von der Qualität des Gelenkersatzes. Patienten können zudem durch geeignetes Muskeltraining und Verhaltensweisen dazu beitragen, dass das Kunstgelenk länger hält.

Ihre Ansprechpartnerin

Dr. med. Jacqueline Repmann

Dr. med. Jacqueline Repmann

Ärztliche Direktorin, Chefärztin der Klinik für Orthopädie

MEDICLIN Waldkrankenhaus Bad Düben

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