18.08.2020

Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen

Schon das konsequente Umsetzen ganz einfacher Regeln für eine gesunde Ernährung könnte die Zahl der Todesfälle bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen um nahezu die Hälfte reduzieren.

PD Dr. med. Harald Hausmann, Ärztlicher Direktor des MEDICLIN Herzzentrums Coswig sowie Chefarzt der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, und Dr. med. Robert R. Flieger, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie, haben ein gemeinsames Ziel: die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verbessern.

Es klingt ja so leicht: Vorbeugen. Doch Fakt ist: „Sehr viele Menschen tun sich sehr, sehr schwer damit, durch konsequente Vorsorge aktiv ihre Gesundheit zu verbessern“, sagt Dr. med. Harald Hausmann, Ärztlicher Direktor des MEDICLIN Herzzentrums Coswig. Dabei wäre es so einfach: „Wenn die Menschen bereits einfache Regeln für eine gesunde Ernährung konsequent befolgen würden, könnte dies die kardiovaskuläre Sterblichkeit um nahezu die Hälfte reduzieren“, betont der Herzchirurg. Und rechnet vor: „Dies würde 25.000 Herz-Kreislauf-Tote in Europa vermeiden. Jedes Jahr.“

Haupttodesursache weltweit

Atherosklerotische Krankheiten sind weltweit die Haupttodesursache. „Bei der Atherosklerose lagert sich in den Wänden mittelgroßer und großer Arterien eine fetthaltige Substanz ab und bildet Plaques, die den Blutfluss behindern oder ganz blockieren“, erklärt Hausmanns Kollege Dr. Robert R. Flieger, Chefarzt für Kardiologie am Herzzentrum Coswig. In Europa sterben vor ihrem fünfundsiebzigsten Lebensjahr 38 Prozent aller Männer und 42 Prozent aller Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Übergewicht und Diabetes bilden zwei der wichtigsten Risikofaktoren und steigen in den entwickelten Industrieländern weiter in der Inzidenz an“, so Flieger.

Daten der Versorgungsforschung belegen es: „Der Optimierungsbedarf kardiovaskulärer Präventionsmaßnahmen in Deutschland und Europa ist enorm“, sagt Flieger. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie fordert, die Patientenversorgung auf diesem Gebiet zu verbessern. „Bei uns am Herzzentrum Coswig stellt daher die präventive Medizin einen der Hauptpfeiler bei der ganzheitlichen Versorgung der kardiovaskulären Patienten dar“, sagt Herzchirurg Hausmann: „Man muss nicht erst mit dem Notarztwagen vorfahren. Man kann auch einfach mal Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen.“ Das können primärpräventive oder auch sekundärpräventive Maßnahmen sein: Je nachdem, ob die Krankheit selbst vermieden oder das Fortschreiten einer bestehenden Krankheit verhindert werden soll.

Selbst aktiv werden

Die Experten im Bereich der kardiovaskulären Medizin verfolgen dabei unterschiedliche Strategien: „Das fängt damit an, krankmachende Faktoren zu meiden oder zu reduzieren“, sagt Flieger: „Und es geht bis hin zu aktiven Strategien, die das Risiko beeinflussen, dass Krankheiten entstehen oder bestehende Erkrankungen schneller fortschreiten.“ Am Herzzentrum in Coswig erfolgt die Prävention im Rahmen von Beratungen und wird in Kooperation mit dem behandelnden Arzt weitergeführt.

„Präventionsmaßnahmen, die Patienten selbst durchführen können, sind unter anderem regelmäßige körperliche Bewegung, gesunde Ernährung, Reduktion psychischer Belastungs- und Stressreaktionen und Einschränkungen des Konsums von Suchtmitteln wie Nikotin, Alkohol, Drogen, Zucker, oder übermäßige Salzaufnahme“, sagt Herzchirurg Hausmann: „Dazu gehört aber auch der Erwerb einer ausreichenden Gesundheitskompetenz und ganz wichtig: Die Eingliederung in Netzwerke kommunaler und privater Gesundheitsförderung – damit das Ganze dann auch verstetigt wird.“

Das Problem dabei: Präventionsprogramme oder gesundheitsförderliche Maßnahmen wie Impfungen oder Vorsorgeuntersuchungen sind zwar für die meisten Menschen leicht zugänglich. Theoretisch. „In Wahrheit ist die Bereitschaft zur Gesundheitsvorsorge leider gerade bei Menschen mit hohem Risikoprofil eher gering. Deshalb sollten Präventivprogramme so einfach wie möglich in der Umsetzung gehalten sein“, betont Hausmann.

Risiken frühzeitig erfassen

„Wir führen in enger Absprache mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen auch Screenings und zusätzliche Untersuchungen durch, um Risikopatienten besser identifizieren zu können. So haben Patienten mit Herzerkrankungen nicht selten zusätzlich Gefäßerkrankungen und umgekehrt“, sagt Flieger. Oft werde man fündig: „Man kann es auch so ausdrücken: Je mehr Risikofaktoren vorliegen, desto mehr Herz-Kreislauf-Krankheiten entwickeln sich.“ Der Zusammenhang sei eindeutig und deshalb sei es auch wichtig, Risikoprofile zu ermitteln.

Risiken frühzeitig erfassen

Werde ein Risikopatient entdeckt, gehe es erst einmal um sinnvolle Verhaltensänderungen und weitere präventive Maßnahmen. Dann stehen Verlaufskontrolle und die Behandlung gegebenenfalls neu entdeckter kardiovaskulärer Erkrankungen im weiteren Fokus. „Die Screenings ermöglichen es uns, bei scheinbar gesunden Patienten nicht bekannte Risiken zu finden oder sogar bislang unerkannte Erkrankungen“, sagt Flieger. Anders gesagt: Je früher man hinschaut, untersucht und aufklärt, desto mehr Menschen wissen überhaupt darüber Bescheid, in welcher Gefahr sie sich befinden. Und dass es Zeit ist. Zeit für Vorsorge.

Was das Herz krank macht

  • Blutfette
    Ein erhöhter Cholesterinspiegel (LDL-Cholesterin) erhöht auch das Risiko für eine Arterienverkalkung. Umgekehrt gilt: Wird der Cholesterinspiegel gesenkt, sinkt das Todesrisiko. Bei auffälligen Werten sollten weitere Risikofaktoren überprüft werden. Eine medikamentöse fettsenkende Behandlung ist in vielen Fällen nötig, wenn die empfohlenen Zielwerte trotz einer Änderung des Lebensstils nicht erreicht werden.
  • Zuckerkrankheit
    Diabetes ist ebenfalls ein kardiovaskulärer Risikofaktor. Erhöhte Blutzuckerwerte verursachen Arterienverkalkung und eine Änderung des Fettstoffwechsels. Dies kann vor allem mikrovaskuläre Krankheiten verursachen. Therapeutisches Ziel ist zunächst ein normalisiertes Körpergewicht und die Vermeidung von Blutzuckerspitzen. Sport und jede Form der körperlichen Aktivität sind die beste Möglichkeit, aktiv Prävention zu betreiben. Durch eine gute Kontrolle des Blutzuckerwertes lassen sich makrovaskuläre Komplikationen und kardiovaskuläre Sterblichkeit deutlich reduzieren.
  • Bluthochdruck
    Bluthochdruck kann sehr früh zur Entwicklung einer Atherosklerose führen. Die Hypertonie ist ein unabhängiger Risikofaktor gerade für kardiovaskuläre Hirngefäßerkrankungen. Eine Senkung des Blutdrucks auf die empfohlenen Normwerte reduziert das Risko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Den Blutdruck kann man durch Medikamente senken oder durch eine gesunde Lebensführung – wie etwa Reduzierung des Körpergewichts und Ernährungsumstellung, weniger Salz und Alkoholverzicht.
  • Bewegungsmangel
    Körperliche Aktivität verringert das Todesrisiko und ist eine der stärksten Säulen der Prävention. Neben der körperlichen Leistungsfähigkeit bringt man auch kognitive Fähigkeiten auf Trab. Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren sollten nur nach einer vorherigen sportmedizinischen Untersuchung mit Training beginnen.
  • Rauchen
    Tabakrauch enthält mehr als 9.600 chemische Verbindungen, von denen mehr als 90 krebserregend sind. Der Nikotinverzicht stellt die effektivste Methode der Prävention dar. E-Zigaretten haben ebenfalls starke toxische Effekte.
  • Körpergewicht und Ernährung
    Das Körpergewicht hängt in erster Linie von der aufgenommenen Kalorienmenge ab. Eine mediterrane Diät wirkt sich im Bereich der Primär- und Sekundär-Prävention positiv aus. Durch die konsequente Ernährungsumstellung kann das Risiko für Brustkrebs, kardiovaskuläre Erkrankungen und Diabetes mellitus reduziert werden. Die Mittelmeerdiät ist eine sehr einfache Präventionsmaßnahme: viel frisches Gemüse und Salat sowie Olivenöl, Nüsse und Fisch. Und wenig rotes Fleisch und fetthaltige Milchprodukte. Weiterer positiver Effekt: Wer bereit ist, seine Ernährungsgewohnheiten zu ändern, ist auch eher motiviert, Sport zu treiben und auf sein Gewicht zu achten.

Ihr Ansprechpartner

PD Dr. med. Harald Hausmann

PD Dr. med. Harald Hausmann

Ärztlicher Direktor Chefarzt der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie

MEDICLIN Herzzentrum Coswig

Dr. med. Robert Rainer Flieger

Dr. med. Robert Rainer Flieger

Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie

MEDICLIN Herzzentrum Coswig