10.08.2020

Damit Zellen aufatmen

Überlastung im beruflichen Alltag oder im Sport begünstigen Mangelerscheinungen und oxidativen Stress. Mithilfe eines Zell-Checks kann dies frühzeitig entdeckt und behandelt werden.

Dr. med. Jacqueline Repmann vom MEDICLIN Waldkrankenhaus Bad Düben betreut unter anderem Leistungssportler, deren Körperzellen sie genau unter die Lupe nimmt.

Die biologische Oxidation, die Zellatmung, ist der Weg zur Energiegewinnung für die meisten Organismen. Aktivierte Sauerstoffstufen, meist Radikale genannt, sind bei der oxidativen Aufspaltung von Nährstoffen enorm wichtig – das ist untrennbar mit der normalen Funktion des Organismus verbunden. „Kommt es allerdings zu einem Überschuss an freien Radikalen, spricht man vom oxidativen Stress“, sagt Dr. med. Jacqueline Repmann, Ärztliche Direktorin und Chefärztin für Orthopädie.
 
„In der Regel hat unser Körper ein gut funktionierendes Schutzsystem, um die freien Radikale in Schach zu halten. Doch ständiger Leistungsdruck, steigender Energieumsatz, intensive körperliche Betätigung, fehlende Regeneration oder Alkohol und Rauchen, Mineralstoffmangel, chronische Erkrankungen oder bestimmte Medikamente führen zu oxidativem Stress“, zählt Repmann auf.

„Ein mangelnder oxidativer Schutz äußert sich in Leistungsminderung, Müdigkeit oder Schlafstörungen“, erklärt die Medizinerin. „Bei manchen Menschen kommt es auch zu Infektanfälligkeit und Immunschwäche, zu Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Problemen.“ Grund ist oft eine kalorienreiche und gleichzeitig vitalstoffarme Ernährung in Kombination mit Bewegungsmangel und dem Anhäufen von Giftstoffen.

Oxidativen Stress messen

Oxidativen Stress können die Mediziner im Waldkrankenhaus Bad Düben mit einem Biophotonik-Resonanzscanner nachweisen. „Mit den Handgeräten werden spektralphotometrische Messungen am Muskelepithel der Handfläche durchgeführt“, erklärt Repmann, „damit können wir die wichtigsten Mineralien und toxischen Metalle im Körper messen.“ Im Gewebe können Mängel und Überschüsse wesentlich früher nachgewiesen werden als im Blut.

„Wir können gezielt Defizite in den Zellen aufspüren, die sich negativ auf den Stoffwechsel auswirken.“ Die Zell-Check-Messung ist jedoch keine reine Mineralstoffmessung. Die Ergebnisse kombinieren vielmehr die spektralphotometrischen Werte mit dem Alter und Geschlecht des Patienten, der Blutgruppe sowie Gewicht und Körpergröße. „Sie ermöglicht die Bewertung des aktuellen Verhältnisses von Mineralstoffen zueinander und ist eine Ergänzung zu den bekannten und etablierten schulmedizinischen Methoden wie der Analyse von Blut und Urin“, sagt Repmann.

Studie zum präventiven Einsatz

„Mineralstoffmangel kann auch zu Wundheilungsstörungen führen“, sagt Repmann, „das ist natürlich für uns als Spezialklinik für Orthopädie besonders relevant.“ Aktuell wird daher im Waldkrankenhaus Bad Düben eine Studie zur möglichen Vorhersage von Wundheilungsstörungen bei Patienten durchgeführt. Im zweiten Schritt soll dann untersucht werden, ob die präoperative Gabe von Mineralien bei nachgewiesenen Mangelerscheinungen die Wundheilung verbessern kann.
 

„Kupferbelastung und Zinkmangel führen zum Beispiel zu einer schlechteren Wundheilung. Zink und Silicium spielen eine große Rolle im Stoffwechsel des Bindegewebes und bei der Narbenbildung.“ Durch Hinzuziehen des BMI und des oxidativen Stresses könne man Rückschlüsse auf eine Störung in der Gewebeheilung ziehen. „In der Studie werden alle Patienten gemessen, die zur Implantation einer Endoprothese vorgesehen sind“, erklärt Repmann: „Dadurch werden jährlich etwa 800 Patienten erfasst.“ Patienten, die nach dem Eingriff eine Wundheilungsstörung entwickeln, werden auf mögliche Mangelzustände hin untersucht und mit einer Kontrollgruppe verglichen.

"Intensiver Sport kann präventiv wirken, aber auch belasten."

- Dr. med. Jacqueline Repmann

Betreuung von Sportlern

Auch Leistungssportler gehören zu Repmanns Patienten: Im Waldkrankenhaus Bad Düben wurde beispielsweise eine Leistungsdiagnostik mit Spielern einer Fußballmannschaft durchgeführt, die auch den Zell-Check beinhaltete. Sport kann vielen chronischen Erkrankungen entgegenwirken. Zu intensive körperliche Betätigung und Muskelbelastung führen jedoch zu oxidativem Stress. „Besonders bei Ausdauer- und Leistungssportlern kann es dadurch zu Muskelschäden, Müdigkeit, Asthenie, Krämpfen und Erschöpfungszuständen mit schlechter Erholung kommen“, warnt Repmann. „Wir konnten oxidative Schäden bei Marathonläufern, Radfahrern oder Skilangläufern ebenso feststellen wie etwa bei Langstreckenschwimmern oder Mannschaftssportlern.

Früherkennung von Burn-out

„Es häufen sich die Hinweise, dass ein Mangel an bestimmten Nährstoffen auch zum Beispiel einen Burn-out begünstigen kann“, sagt Repmann. Dauerstress führe zu einem Kortisol-Dauerfeuer, das bestimmte Mineralien regelrecht aus dem Körper ausschwemme. Ein drohendes Burn-out-Syndrom wird von den Betroffenen oft nicht wahrgenommen oder so lange ignoriert, bis ein langer Arbeitsausfall eintritt oder bleibende körperliche Schäden entstehen. Durch die Zell-Check-Messung können frühzeitig wichtige Hinweise gefunden werden: „Mineralstoffmangel kann komplexe Stoffwechselstörungen und psychische Probleme verursachen.“ Besser also, man entdeckt ihn früh.

Ihre Ansprechpartnerin

Dr. med. Jacqueline Repmann

Dr. med. Jacqueline Repmann

Ärztliche Direktorin Chefärztin der Klinik für Orthopädie

MEDICLIN Waldkrankenhaus Bad Düben