14.08.2020

Vorausschauend - Komplexbehandlung im Alter

Die Gesellschaft altert – und das verändert auch das Gesundheitssystem. Nur persönliche und individuelle Konzepte werden der Komplexität von Erkrankungen und Lebenssituationen künftig gerecht.

Wie sieht die Altersmedizin der Zukunft aus? Dr. med. Cornelia Schopp, Oberärztin der Fachklinik für Geriatrie im MEDICLIN Reha-Zentrum Gernsbach, erarbeitet mit Kollegen neue Therapiekonzepte.

Eine einfache Tatsache mit großer Wirkung: „Die Zahl betagter und hoch betagter Menschen steigt ständig an“, sagt Dr. med. Cornelia Schopp, Oberärztin der Fachklinik für Geriatrie im MEDICLIN Reha-Zentrum Gernsbach: „Damit steigt auch der Bedarf an Behandlungsangeboten für ältere Menschen – am liebsten wohnortnah und zugleich von hoher medizinischer Kompetenz“, betont sie. „Uns stehen riesige Herausforderungen bevor, denn mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an mehreren, oft schweren Erkrankungen gleichzeitig zu leiden oder dass es bei Operationen zu Komplikationen kommt.“

Als Konsequenz aus dieser Entwicklung hat das MEDICLIN Reha-Zentrum Gernsbach seine geriatrischen Behandlungsangebote ausgebaut – und neue Therapiekonzepte erarbeitet. Denn die Lebensqualität von Älteren definiert sich heute immer stärker über Gesundheit: „Die meiste Angst haben die Menschen davor, ein Leben ohne Selbstbestimmung führen zu müssen. Deshalb ist unser höchstes Ziel bei einer geriatrischen Rehabilitationsmaßnahme, alles zu tun, damit alte Patienten möglichst umfassend am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.“

"Alles tun für die Teilhabe am sozialen Leben."

- Dr. med. Cornelia Schopp

Prävention und Reha verzahnen

„Wir möchten Prävention und Rehabilitation eng miteinander verzahnen. Nur das macht wirklich Sinn“, sagt Schopp: „In der Geriatrie fließen viele medizinische Fachrichtungen zusammen, ältere Patienten haben oft mehrere Erkrankungen gleichzeitig.“ Während Rehabilitation versucht, die Selbstständigkeit bestmöglich wiederherzustellen, hat Prävention das Ziel, Krankheit und gesundheitliche Einschränkungen zu vermeiden, ehe sie entstehen: „Oder, wenn das nicht möglich ist, sie zumindest zu verzögern oder zu lindern. Langfristig möchten wir darauf hinwirken, dass sich die Einstellung und das Verhalten der Patienten ändert, um damit eine verbesserte Lebensqualität zu erreichen.“ 

Prävention und Reha verzahnen

Im Reha-Zentrum in Gernsbach wurde 2019 eigens eine eigenständige Sektion für Altersorthopädie/Alterstraumatologie geschaffen, um den neuen Anforderungen gerecht werden zu können. „Im Klinikalltag begegnet uns eine Vielzahl von Krankheiten, aber auch eine Vielzahl unterschiedlicher Bedürfnisse und Lebensentwürfe. Menschen sind unendlich vielfältig. Deshalb müssen wir gezielter auf den einzelnen Patienten eingehen und die Rehabilitation individuell gestalten.“

Generell wird jeder Patient in Gernsbach bei der Aufnahme getestet. „Wir sehen gleich bei der Aufnahme, ob Patienten nicht mehr gehfähig sind, ob sie unter Mobilitätseinschränkungen leiden, aber mit einem Rollator kurze Strecken zurücklegen können. Oder ob sie noch mobil sind.“ Neben der Einteilung in eine von drei Leistungsgruppen werden zusätzliche Therapien je nach Bedarf des Patienten in den Therapieplan integriert. „Nur durch eine persönliche und individuelle Rehaplanung ist es möglich, der Komplexität der Erkrankungen und der jeweiligen Lebenssituation gerecht zu werden.“ Je nach Leistungsgruppe werden die Therapien ausgestaltet. Sobald sich der Leistungsstand verbessert, kommt man in eine höhere Leistungsgruppe: „Der positive Nebeneffekt ist, dass die Patienten sich gegenseitig motivieren“, so Schopp, die betont: „Auch bei betagten Menschen gelten die Erkenntnisse der Trainingslehre, sodass durch regelmäßiges Training wichtige Fortschritte in den motorischen Fähigkeiten erreicht werden können.“

Mit dem körperlichen Training hoffen die Mediziner, den Teufelskreis aus altersbedingtem, kontinuierlichem Muskelabbau zu durchbrechen, der durch Bewegungsarmut und obendrein häufig durch Mangelernährung verstärkt wird. In der altersmedizinischen Prävention müssen Stürze möglichst vermieden werden, erklärt Schopp, „da sie sich fatal auswirken: Zuerst bricht der Knochen und dann das Selbstbewusstsein.“
 

Fit im Alter!

So bleibt man fit – oder wird es wieder:

  • Regelmäßiges, sportliches Training mindestens dreimal/Woche, um Kraft, Ausdauer, Koordination und Gleichgewicht zu trainieren
  • Eine hochwertige Ernährung mit Eiweißbausteinen unterstützt das Training, etwa Hülsenfrüchte, Nüsse, Milchprodukte, fettarmes Fleisch, Tofu oder Fisch.
  • Für den Muskel- und Knochenstoffwechsel ist darüber hinaus eine ausreichende Zufuhr von Vitamin D3 erforderlich. Oft reicht die Aufnahme von Vitamin D3 über die Nahrungszufuhr oder Bewegung an frischer Luft nicht aus, um den Körper ausreichend zu versorgen, sodass eine medikamentöse Ergänzung notwendig sein kann.
  • Ebenfalls ist auf eine ausreichende Kalziumzufuhr zu achten.

Ihre Ansprechpartnerin

Dr. med. Cornelia Schopp

Dr. med. Cornelia Schopp

Oberärztin der Fachklinik für Geriatrische Rehabilitation

MEDICLIN Reha-Zentrum Gernsbach