27.11.2019 Arthrose: Rücken & Gelenke

Röntgenreizbestrahlung bei Arthrose: Schmerzen schonend lindern

Röntgenreizbestrahlung lindert Schmerzen bei Arthrose. Prof. Dr. med. Michael Pinkawa, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie an der MEDICLIN Robert Janker Klinik in Bonn erklärt, wie Röntgenreizbestrahlung funktioniert und was sich damit erreichen lässt.

Was versteht man unter einer Röntgenreizbestrahlung?

Prof. Dr. Michael Pinkawa: Röntgenreizbestrahlung ist eine Form der Strahlentherapie. Wir setzen dafür wie für die Bestrahlung von onkologischen Patienten unseren Linearbeschleuniger ein. Allerdings ist die Dosis, mit der wir gutartige Erkrankungen wie Arthrose oder andere rheumatisch-entzündliche Erkrankungen behandeln, deutlich niedriger.

Wie lange dauert eine Röntgenreizbestrahlung bei Arthrose?

Pinkawa: Für die Röntgenreizbestrahlung mit dem Linearbeschleuniger genügen wenige Sekunden. Das Knie bestrahlen wir beispielsweise von zwei Seiten, dann ist die Dosisverteilung gleichmäßiger. Der Strahlenkopf des Linearbeschleunigers ist weit entfernt vom Patienten, der auf einer Liege Platz nimmt.

Wie oft wird der Patient bei einer Röntgenreizbestrahlung behandelt?

Pinkawa: Standardmäßig bestrahlen wir das von Arthrose betroffene Gelenk sechsmal innerhalb von zwei bis drei Wochen. Ist der Effekt nach drei Monaten noch nicht zufriedenstellend, kann man sechs weitere Röntgenreizbestrahlungen anschließen.

Wie wirkt die Röntgenreizbestrahlung?

Pinkawa: Bei einer Arthrose wird ja der Knorpel immer dünner, bis Knochen auf Knochen reibt. Das Immunsystem antwortet darauf mit einer Entzündungsreaktion. Diese ist für die Schmerzen verantwortlich. Die energiereiche Strahlung greift in diese Immunreaktion ein:

  • Eine Röntgenreizbestrahlung löst der Untergang von Zellen des Abwehrsystems aus.
  • Die Strahlung hemmt die Einwanderung neuer Zellen.

Damit wirkt die Röntgenreizbestrahlung bei Arthrose entzündungshemmend und lindert die Schmerzen. Gewebe wird dabei nicht zerstört; der Knochen selbst bleibt unverändert.

Ist der Effekt der Betrahlung sofort spürbar?

Pinkawa: Nein, die Wirkung setzt erst mit Verzögerung ein. Von der Bestrahlung selbst merkt der Patient – ähnlich wie bei einer Röntgenuntersuchung – nichts. Nach der ersten Röntgenreizbestrahlung können die Schmerzen sogar zunehmen. Doch das zeigt, dass der Patient darauf anspricht. Im Verlauf von mehreren Wochen lassen die durch Arthrose verursachten Schmerzen dann nach.

Wie lange hält die Wirkung an?

Pinkawa: Laut Statistik ist nach fünf Jahren noch bei der Hälfte der Patienten ein lindernder Effekt nachweisbar.

Wird die Röntgenreizbestrahlung bei Arthrose wiederholt, wenn der Erfolg nachlässt?

Pinkawa: Ja, das ist möglich. Bei jungen Leuten sind wir damit jedoch zurückhaltend, denn es besteht ein gewisses Risiko, dass man durch die energiereiche Strahlung einen Tumor induziert. Das wurde zwar bisher in Studien nie nachgewiesen, aber wir sind vorsichtig. Bei älteren Menschen ist die Gefahr gering, hier spricht nichts gegen drei bis vier Wiederholungen. Ansonsten gibt es bei der Röntgenreizbestrahlung keine Nebenwirkungen.

Für welche Patienten eignet sich eine Röntgenreizbestrahlung bei Arthrose?

Pinkawa: Bei Arthrose sollte man immer zuerst die konservativen Therapien ausschöpfen, wie

  • Gewichtsabnahme,
  • Krankengymnastik,
  • medikamentöse Therapie.

Wenn diese aber nicht ausreichend wirken oder zu starken Nebenwirkungen führen und die Schmerzen längere Zeit bestehen, ist die Röntgenreizbestrahlung eine sinnvolle Option. Das gleiche gilt für Patienten, für die eine Operation zu gefährlich ist oder die den Eingriff nicht wünschen. Wir setzen die Methode besonders häufig an Knie und Hüfte ein, aber auch an kleineren Gelenken wie den Fingern. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten.

Ihr Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Michael Pinkawa

Prof. Dr. med. Michael Pinkawa

Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie

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